Perikarditis

Definition

Eine Entzündung der bindegewebigen Herzaussenhaut (Perikard), die zu einer schweren Beeinträchtigung der Herzkreislauffunktion führen kann.

Ursache(n)

Das Perikard (peri = umgebend; kard = auf das Herz bezogen) umgibt den Herzmuskel als bindegewebiger Schutzmantel. Es besteht im wesentlichen aus zwei Häuten, wobei nur die innere mit der Aussenseite des Herzmuskels fest verwachsen ist und damit bei Herzkontraktionen gegen die äussere Haut verschoben wird. Entzündungen des Perikards treten als eigenständige Erkrankung auf oder stellen Begleitreaktionen anderer Prozesse dar, die sich im Organismus abspielen.

An erster Stelle der Ursachenstatistik bei der Perikarditis stehen Viren, seltener Bakterien. Häufig ist auch das rheumatische Fieber Auslöser eine Entzündung des Perikards, wobei vielfach das Endokard und der Herzmuskel selbst (Myokard) mitbetroffen sind. Nach heutiger Vorstellung liegt dem rheumatischen Fieber eine Fehlreaktion des Immunsystems zugrunde, welches nach Aktivierung durch eine Infektion mit einem bestimmten Bakterientyp sich gegen körpereigenes Gewebe - in diesem Fall Herzgewebe - richtet und dort Entzündungsreaktionen hervorruft.

Nicht selten wird eine Perikarditis auch nach Herzinfarkt diagnostiziert, wobei eine frühe Form innerhalb von 24 bis 48 Stunden nach Infarkt von einer späten Form zwei bis drei Wochen später abzugrenzen ist. Als weitere Ursachen der Perikarditis kommen eine Schilddrüsenunterfunktion, Niereninsuffizienz, Bindegewebserkrankungen des Organismus sowie rheumatische Erkrankungen des Bewegungsapparates, aber auch im Brustkorb wachsende Geschwülste oder herzchirurgische Eingriffe in Betracht. In 20 bis 30 Prozent der Erkrankungen ist keine eindeutige ursächliche Zuordnung möglich.

Merkmale, Diagnostik, Verlauf

Charakteristischerweise gehen Entzündungsreaktionen allgemein wie auch bei der Perikarditis mit einer verstärkten Durchblutung der beteiligten Gewebsstrukturen, Anhäufung von Entzündungszellen aus dem zirkulierenden Blut und vermehrter Freisetzung von Gewebswasser einher. Das Beschwerdebild des Patienten mit Perikarditis wird dabei im wesentlichen davon bestimmt, ob es nur zu entzündlichen Auflagerungen im Kontaktbereich der beiden Perikardhäute oder auch zu einem ausgeprägtem Flüssigkeitserguss in den Herzbeutel kommt.

Im ersteren Fall einer so genannten trockenen Perikarditis stehen atemabhängige Brustschmerzen im Vordergrund, die typischerweise im Liegen und bei Husten verstärkt werden. Im zweiten Fall kann die normale Entspannung und Blutfüllung des Herzmuskels durch die Flüssigkeitsansammlung im Herzbeutel so weit behindert sein, dass eine schwere Beeinträchtigung der Herzkreislauffunktion bis zum Kreislaufschock resultieren kann.

Grundsätzlich unterscheidet man je nach Befundlage und klinischem Erscheinungsbild zwischen einer akuten Verlaufsform, die nach einmaliger Behandlung ausheilt und einer chronischen Form, bei der permanent Flüssigkeit im Herzbeutel nachzuweisen ist oder Entzündungsschübe immer wieder aufflackern. Je nachdem ob der gebildete Flüssigkeitserguss Entzündungszellen, Eiweiss, Blutbestandteile oder entartete Zellen von Krebsgeschwülsten enthält, kann die zugrundliegende Ursache der Perikarditis mit einiger Wahrscheinlichkeit ermittelt werden.

Sowohl die akute als auch die chronisch immer wiederkehrende Perikarditis kann sowohl einen gutartigen Verlauf nehmen als auch durch bedeutsame Perikardergüsse, wie oben beschrieben zu akut lebensbedrohlichen Situationen führen. Eine Sonderform stellt in diesem Zusammenhang das so genannte Panzerherz dar, bei dem das Perikard durch immer wiederkehrende Entzündungsreaktionen schrumpft und vernarbt, dabei an Elastizität verliert und dem Herzen wie ein starrer Mantel keine Entfaltungsmöglichkeiten mehr lässt.

Die Diagnose Perikarditis ergibt sich aus dem subjektiven Beschwerdebild des Patienten sowie den objektiven Befunden im Röntgenbild der Brust, Elektrokardiogramm (EKG) sowie Herzultraschall, bei dem die Flüssigkeitsansammlung im Herzbeutel und ihre Auswirkungen auf die Herzfunktion direkt dargestellt werden können.

Komplikationen

Die schwerwiegenste Komplikation der akuten Perikarditis ist der massive Perikarderguss mit Flüssigkeitsansammlung von manchmal bis zu über einen Liter im Herzbeutel. Behinderung der Herzfunktion bis zum Herzkreislaufschock mit tödlichem Ausgang können die Folge sein. Demgegenüber nimmt das chronische Panzerherz zwar weniger dramatische Ausmasse an, muss aber auch als schwerwiegende Komplikation nach immer wiederkehrender Perikarditis angesehen werden.

Behandlung

Es muss unterschieden werden zwischen Behandlungsmassnahmen, die spezifisch gegen eine bestimmte auslösende Ursache der Perikarditis gerichtet sind, sowie Allgemeinmassnahmen, die Beschwerden lindern als auch Folgeerscheinungen der Entzündung wie zum Beispiel den Perikarderguss beheben können. Je nach zugrundeliegender Problematik kommen Antibiotikatherapie in Kombination mit Kortisongabe beim rheumatischen Fieber, immununterdrückende Therapie bei Immunerkrankungen oder Behandlung einer Nierenfunktionsstörung, Schilddrüsenunterfunktion oder eines Krebsleidens in Betracht.

Bei Brustschmerzen können zusätzlich Schmerzmittel verabreicht werden. Eingreifendere Massnahmen sind bei relevantem Perikarderguss erforderlich, der eine Ableitung der überschüssigen Flüssigkeit im Herzbeutel über einen Katheter vonnöten macht. Der Katheter muss dabei über eine lange Nadel von vorne unterhalb des Rippenbogens in den Herzbeutel eingeführt werden. In den meisten Fällen akuter Perikarditis heilt der Entzündungsprozess nach ein- oder mehrmaliger Flüssigkeitsableitung folgenlos aus. Nur im Extremfall chronisch immer wiederkehrender Perikardergüsse muss der Herzbeutel operativ "gefenstert" werden, um ein eigenständiges Abfliessen der entzündlichen Flüssigkeit zu ermöglichen. Beim seltenen Panzerherz müssen die Perikardvernarbungen vom Herzchirurgen abgetragen werden.

Vorbeugende Massnahmen

Eine Möglichkeit der aktiven Vorsorge zur Vermeidung immer wiederkehrender Entzündungen des Perikards besteht bei der rheumatischen Perikarditis: Hier ist auch nach Ablauf der akuten Krankheitshase auf eine ausreichend lang weitergehende Antibiotikabehandlung nach Absprache mit dem Arzt zu achten. Aber auch bei Immunerkrankungen, Stoffwechselerkankungen, rheumatischen Erkrankungen des Bewegungsapparates oder Krebserkrankungen stellt die wirkungsvolle Behandlung des zugrundeliegenden Problems einen Schutz vor wiederkehrenden Perikardentzündungen dar.

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