Knochenschwund

Wenn der Knochen schwindet

Definition

Osteoporose oder Knochenschwund ist eine Erkrankung, die das ganze Skelettbetrifft. Sie zeichnet sich dadurch aus, dass die Knochenmasse abnimmt und derAufbau des Knochens gestört ist. In der Folge kommt es vermehrt zu Knochenbrüchen.An Osteoporose leiden weltweit etwa 75 Millionen Menschen. Die wirtschaftlichenFolgekosten werden alleine in den USA auf jährlich 10 Milliarden Dollar geschätzt.

Ursachen

Meistens sind ältere Menschen von Knochenschwund betroffen. Alter ist demnachder Hauptrisikofaktor. Frauen leiden doppelt so häufig an Osteoporose wie Männer.Das liegt besonders daran, dass Frauen ein leichteres Skelett besitzen und durchden raschen Hormonabfall in den Wechseljahren zusätzlich gefährdet sind. Amhäufigsten tritt Osteoporose im Alter zwischen 50 und 70 Jahren auf.Daneben existieren verschiedene Grunderkrankungen, die zu einer sekundären Osteoporoseführen können:

  • Überfunktion der Nebenschilddrüse
  • Überschuss an Kortison. Kortison ist ein körpereigenes Hormon, welches inder Nebennierenrinde gebildet wird. Erkrankungen der Nebennierenrinde oderlangdauernde Behandlung mit Kortison führen zu einer Osteoporose.
  • Schilddrüsenüberfunktion
  • Diabetes mellitus

Auch Medikamente können Osteoporose verursachen: neben Kortison kommen vorallem Heparin (Antiblutgerinnungsmittel), bestimmte Medikamente zur Behandlungvon Epilepsie, Chemotherapeutika ( vor allem Metotrexat und Cyclosporin A) sowiemagensäurebindende Mittel, die auf Aluminiumbasis hergestellt sind, in Frage.Erkrankungen des Magendarmtraktes können ebenfalls zu Osteoporose führen. Hiersind es vor allem Krankheiten, die eine verminderte Aufnahme von für den Knochenstoffwechselwichtigen Substanzen zur Folge haben. Man spricht dann von einer Malabsorption.Die Malabsorption tritt in der Regel nach operativer Entfernung des Magens,nach langdauernder parenteraler Ernährung (Ernährung über die Vene) und im Zusammenhangmit bestimmten Leberkrankheiten auf.Folgende Risikofaktoren für die Entstehung von Osteoporose sind bekannt:

  • Vitamin-D- und kalziumarme Ernährung
  • Einseitige, stark phosphorhaltige Ernährung (zu viel Fleisch, Wurstwarenund Cola-Getränke)
  • Zu viel Salz (behindert Kalziumaufnahme im Darm)
  • Essstörungen (Magersucht, Bulimie)
  • Extrem schlanker Körperbau
  • Bewegungsmangel
  • Rauchen
  • Übermässiger Alkoholgenuss
  • Langfristige Medikamenten-Einnahme (Kortison, Antibiotika, Abführmittel,etc.)
  • Bei Frauen: Frühes Einsetzen der Wechseljahre und langes Ausbleiben derPeriode
  • Chirurgische Entfernung der Eierstöcke oder Hoden Vererbung (nahe Verwandtemit osteoporose- bedingten Knochenbrüchen)
  • Aufnahmestörungen des Darmes und gewisse Stoffwechselkrankheiten

Schmerzlos - Bis zum Bruch...

Merkmale, Diagnostik, Verlauf

Knochenschwund verursacht keine Schmerzen und für sich genommen auch keineklinischen Symptome. Betroffene merken höchstens, dass sie mit dem Älterwerdenschrumpfen, fühlen sich dadurch aber nicht beeinträchtigt. Beschwerden ergebensich durch die Folgen der Osteoporose. Akute Schmerzen entstehen durch:

  • Wirbelbrüche entweder spontan oder schon bei minimalen Belastungen
  • Wirbelkörpereinbrüche
  • Einblutungen unter die Knochenhaut (= subperiostale Blutungen) und Verrenkungder kleinen Wirbelgelenke

Chronische Schmerzen ergeben sich aus der Fehlbelastung von Gelenken, Muskelnund Bändern. Mit Osteoporose geht in der Regel eine Überkrümmung (= Hyperkyphose)der Brustwirbelsäule mit Gegenschwingung (Hyperlordose) der Lendenwirbelsäuleeinher. Ausserdem findet man bei Osteoporose eine Grössenabnahme des Körpers(fünf und mehr Zentimeter!). Nicht selten berührt der untere Brustkorbes dannden Beckenkamm.Um einen Überblick über den Knochenstoffwechsel zu bekommen, muss der Arzt folgendeLaborwerte kennen: Blutbild, Kalzium und Phosphat, Nieren- und Leberwerte, Parathormonund Schilddrüsenwerte. Das aktivierte Vitamin D sowie die GeschlechtshormoneÖstrogen, Gestagen und Testosteron können weitere Hinweise auf die Ursache geben.Ein Röntgenbild eignet sich weniger für die frühzeitige Erkennung von Osteoporose.Ein Eindruck über die Knochendichte von Osteoporosepatienten geben quantitativeComputertomographie (QCT), Dual-Photonen Absorptiometrie (DPA) oder Doppel-Energie-X-ray-Absorptiometrie(DEXA, QDR).

Komplikationen

Weil der Knochen Substanz verliert, wird er brüchig. Dadurch kommt es bei Bagatellunfällenoder gar ohne äussere Einwirkung zu Knochenbrüchen mit starken Schmerzen. Häufigsind die Wirbelsäule, Hüft- und Handgelenke betroffen. Besonders fürchten OrthopädenHüftgelenksbrüche (Schenkelhalsfrakturen), die häufig den Verlust der Selbständigkeitmit sich bringen. Allein im Jahr 1990 kam es weltweit zu 1,7 Milliarden Schenkelhalsfrakturen.Bis zum Jahr 2025 wird gar mit bis zu 4 Milliarden Fällen gerechnet.

Wirkstoffe, die Brüche verhindern

Behandlung

Ziel der medikamentösen Osteoporosetherapie besteht darin, das Knochenbruchrisikozu vermindern und Knochenstabilität zu erhöhen. Ärzte setzen folgende Wirkstoffeein: Östrogene, Kalzium, Vitamin D, Bisphosphonate, Kalzitonin und Fluoride.

Östrogene

Studien haben gezeigt, dass die Gabe von Östrogenen bei Frauen in den Wechseljahrenden Knochenabbau um bis zu fünf Prozent reduziert. Die Forscher stellten ausserdemfest, dass diese Frauen später im höheren Alter deutlich weniger Komplikationenund Schmerzen im Bereich des Skelettsystems haben. Zur Osteoporosevorbeugungkann eine Östrogensubstitution also Sinn machen. Neuere Studien geben aber Hinweise,dass eine längerfristige Hormonersatztherapie das Risiko für Brustkrebs, Eierstockkrebsoder Gebärmutterkrebs erhöht. Eine Therapie mit Hormonen bedarf also sorgfältigerAbwägung.

Kalzium

Menschen, die über Jahre ein Gramm Kalzium pro Tag zu sich genommen haben,tragen ein geringeres Risikos von Knochenbrüchen im Vergleich zu Personen, diekein Kalzium bekommen haben. Das ist darauf zurückzuführen, dass die Knochendichtebei hoher Kalziumzufuhr weniger schnell abnimmt.

Vitamin D (Calciferol)

Studien in vielen Ländern haben gezeigt, dass Vitamin-D-Mangel sehr verbreitetist. Dieses gilt insbesondere für ältere und immobile Menschen, da diese sichvergleichsweise wenig draussen aufhalten und deshalb zu wenig Sonnenlicht bekommen.Es hat sich deshalb allgemein durchgesetzt, älteren Menschen 500 bis 1000 internationaleEinheiten Calciferol in Kombination mit einem Gramm Kalzium pro Tag zu verabreichen.Es konnte gezeigt werden, dass dadurch weniger Brüche auftreten.

Bisphosphonate

Sie hemmen den Knochenabbau und erhöhen die Knochendichte. Studien haben gezeigt,dass die Knochendichte nach einjähriger Behandlung am Hüftknochen um 2,9 bis3,4 Prozent und an der Wirbelsäule um 5 Prozent zunahm. Bisphosphonate senkendas Risiko für alle Arten von Knochenbrüchen um mindestens die Hälfte. Damitstellen sie das wirksamste Mittel gegen bereits bestehende Osteoporose dar.

Kalzitonin

Es hemmt die Zellen, die den Knochen abbauen, und fördert die Knochenneubildung.Mediziner setzen es dann für den Erhalt der Knochenmasse ein, wenn ein Patientlange mit Kortison behandelt wurde. Kalzitonin hat auch eine schmerzlinderndeWirkung und kann deshalb bei frischen osteoporosebedingten Einbrüchen in denWirbelkörper gegeben werden.

Fluoride

Sie stimulieren knochenaufbauende Zellen. Der Knochen wird dadurch stabiler.Statt des Kalziums wird Fluor in den Knochen eingebaut. Das bedeutet, dass esim Verlauf von Jahren zu sehr grundlegenden und schmerzhaften Umbauprozessendes Knochen kommen kann. Die Knochen werden dann zwar sehr kompakt und fest,jedoch gleichzeitig spröde wie Glas und brechen entsprechend schnell. Man sprichtdann von einer Fluorose. Fluor sollte wegen der Gefahr der Fluorose nicht längerals drei Jahre eingenommen werden.

Vorbeugen mit Ernährung & Bewegung

Vorbeugende Massnahmen

  • Ernährung: Bekommt der Körper zu wenig Kalzium mit der Nahrung zugeführt,so muss er das fehlende Kalzium aus dem Knochen herauslösen. Nimmt eine Personüber einen Zeitraum von dreissig Jahren täglich nur neunzig Milligramm Kalziumzu wenig zu sich, können zirka sechzig Prozent des Skelettes aufgebrauchtwerden. Gesundheitsbewusst nehmen also täglich zirka 800 bis 1'000 MilligrammKalzium zu sich. Für Frauen in den Wechseljahren empfehlen Experten 1.5 GrammKalzium pro Tag. Diese Menge ist beispielsweise in einem Liter Milch enthalten.Käse und Quark, Fisch, Nüsse und viele grüne Blattgemüsearten sind ebenfallsKalziumreich.
  • Bewegung: Mangelnde Bewegung führt über Wochen, Monate oder Jahrezu Osteoporose. Freiwillige, die sich für einen Versuch der amerikanischenWeltraumbehörde NASA vier Wochen lang ins Bett legten, haben in dieser Zeitein Siebtel ihrer Knochenmasse verloren. Umgekehrt ist bekannt, dass Achtzigjährige,die täglich ein zwanzigminütiges Gymnastikprogramm absolvieren, ein Zuwachsihrer Knochenmasse von einem Prozent - ganz ohne Medikamente - erreichen können.So eignen sich etwa Spazieren gehen, Joggen, Radfahren, Wandern, Rudern undSeilspringen gut zur Vorbeugung der Osteoporose. Bei bestehender oder fortgeschrittenerOsteoporose sollte die Gymnastik unter fachlicher Anleitung eines Physiotherapeutenerfolgen. Grundsätzlich sollte die Bewegung dann mit weniger Belastung einhergehen.In Frage kommt hier zum Beispiel Krankengymnastik oder Bewegungstherapie imWasser.

Zurück