Abtreibung

Definition

Beendigung der Schwangerschaft aus medizinischen oder sozialen Gründen.

Durchführung des Schwangerschaftsabbruchs

Medikamentöser Schwangerschaftsabbruch: Am ersten Behandlungstag wird ein Anti-Schwangerschaftshormon (Anti-Gestagen) in Tablettenform verabreicht. Nach 36 bis 48 Stunden erhält die Patientin ein Scheidenzäpfchen mit Prostaglandinen. Dieser Wirkstoff erweicht den Muttermund. Ausserdem löst er krampfartige Unterbauchschmerzen (Wehen) aus, die dazu führen, dass sich der Muttermund öffnet und es zur Ausstossung des Schwangerschaftsproduktes kommt.

Je früher der Zeitpunkt in der Schwangerschaft, umso erfolgreicher ist der Abbruch nur durch Medikamente. In Einzelfällen muss wegen nicht vollständiger oder weiterhin bestehender Schwangerschaft eine Ausschabung durchgeführt werden.

Operativer Schwangerschaftsabbruch: Beim operativen Schwangerschaftsabbruch werden Fetus, Mutterkuchen und Gebärmutterschleimhaut abgesaugt bzw. ausgeschabt (Kürettage, Ausschabung). Für die Ausschabung der Gebärmutter ist es erforderlich, dass der Muttermund etwas geöffnet ist. Dies kann man mit zwei Methoden bewirken: einmal kann man den Muttermund in Narkose mechanisch aufdehnen.

Bei Frauen, die vielleicht später im Leben noch ein Kind gebären wollen, wählt man eine schonendere Methode: man legt etwa 3 Stunden vor der geplanten Operation ein prostaglandinhaltiges Zäpfchen in die Scheide. Diese Methode ist deshalb schonender als die mechanische Aufdehnung, weil durch das Medikament der Muttermund weicher und dehnbarer wird; dadurch wird der Verschlussmechanismus des Gebärmutterhalses weniger verletzt; das Risiko, dass eine Muttermundsschwäche in einer nachfolgenden Schwangerschaft auftritt und zu einer Frühgeburt führt, wird so minimiert.

Nach dem Einlegen des Zäpfchens kommt es zu Kontraktionen der Gebärmutter, die etwa starken Regelschmerzen entsprechen. Nach einiger Zeit kann auch eine vaginale Blutung auftreten. Die Absaugung oder Ausschabung der Gebärmutter mit einer Kürette erfolgt in einer Narkose. Dabei kommen eine örtliche Betäubung oder eine Vollnarkose in Frage.

Schwangerschaftsabbruch mit Ausstossen des Feten: Bei weit fortgeschrittenen Schwangerschaften wird der Fetus auf natürlichem Weg durch die Scheide geboren. Dazu ist es erforderlich, dass Wehen ausgelöst werden und sich der Muttermund öffnet. Der Schwangeren wird ein Prostaglandinzäpfchen in die Scheide eingelegt, um den Muttermund zu erweichen. Oft reicht bereits diese Massnahme zur Einleitung der Geburt. Wenn nicht, kann erneut eine Tablette gegeben werden oder das Prostaglandinpräparat als Infusion über eine Vene verabreicht werden.  Die Zeit von der Gabe des ersten Medikaments bis zur Ausstossung kann sehr unterschiedlich sein; manchmal dauert es mehrere Tage.

Da die Gebärmutter mit schmerzhafter Wehentätigkeit reagiert, sind häufig Schmerzmittel erforderlich. Im Verlauf kommt es zu Unterbauchschmerzen und einer Blutung.

Nach der Ausstossung wird eine Gebärmutterausschabung durchgeführt, um die Gebärmutterschleimhaut und etwaige Reste des Schwangerschaftsproduktes zu entfernen. Das ist auch deshalb notwendig, da in vielen Fällen nur der Fetus, aber nicht der Mutterkuchen ausgestossen wird.

Komplikationen

Die Nebenwirkungen der prostaglandinhaltigen Medikamente sind vor allem Unterbauchschmerzen, vaginale Blutung, selten Übelkeit und Erbrechen, sehr selten allergische Reaktionen, Atemnot und Brustschmerzen.

Bei der Ausschabung kann es selten zu einer Verletzung der Gebärmutterwand oder deren Durchstossung kommen. In den meisten Fällen ist keine spezielle Nachbehandlung nötig, das Loch verschliesst sich in der Regel von selbst. Wenn jedoch eine starke Blutung entsteht oder möglicherweise der Darm oder die Blase verletzt sein könnten, kann ein weiterer Eingriff (in der Regel die Bauchspiegelung) notwendig sein. In Einzelfällen ist bei nichtstillbarer Blutung (meist wegen Unfähigkeit der Gebärmutter, sich zusammenzuziehen) eine Gebärmutterentfernung notwendig.

Sehr selten kann es im Anschluss an einen Schwangerschaftsabbruch zu einer Infektion der Gebärmutter und der Eierstöcke kommen, die durch Verklebung der Eileiter eine Sterilität zur Folge haben kann. 

In seltenen Fällen ist das Schwangerschaftsprodukt nur unvollständig entfernt. Es können dann langdauernde Schmierblutungen oder plötzliche starke Blutungen auftreten. In so einem Fall sollte man sofort den behandelnden Arzt/die Ärztin oder eine Klinik aufsuchen.

Weiterer Verlauf

Nach einem Schwangerschaftsabbruch kann noch über mehrere Tage eine leichte vaginale Blutung vorhanden sein. Normalerweise zieht der Schwangerschaftsabbruch keine schweren körperlichen Beeinträchtigungen nach sich.

Wichtig ist die Bestimmung der Blutgruppe und des Rhesusfaktors im Rahmen des Schwangerschaftsabbruchs: wenn der Rhesusfaktor negativ ist, muss eine Spritze mit Antikörpern (Anti-Rhesus-Immunglobulin) verabreicht werden, um einer Sensibilisierung des mütterlichen Immunsystems vorzubeugen.

Psychische Folgen

Ein Schwangerschaftsabbruch, unabhängig davon, aus welcher Indikation er durchgeführt wurde, kann auch psychische Probleme nach sich ziehen. Etwa 30 Prozent der Frauen haben nach einem Abbruch vorübergehende seelische Reaktionen, etwa 20 Prozent leiden an schweren, länger andauernden Störungen. Hier kommt es bei der Mehrzahl der Frauen direkt nach dem Schwangerschaftsabbruch zu meist depressiven Krisen, die sich innerhalb von Wochen, Monaten bis zu 2 Jahren normalisieren können. Ein kleinerer Anteil der Frauen fühlt sich zunächst erleichtert und entlastet und erlebt dann seelische Symptome.

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