Bluthochdruck

Definition

Unter Blutdruck versteht man den Druck, der im arteriellen Gefässsystem des Menschen herrscht und Grundvoraussetzung für eine regelrechte Durchblutung und damit Sauerstoffversorgung der Organe darstellt. Dieser Druck wird im wesentlichen bestimmt durch die Kontraktionskraft des Herzmuskels einerseits, der als Motor des Kreislaufs fungiert, sowie die Gesamtkapazität und Elastizität des arteriellen Gefässsystems andererseits. Bluthochdruck heisst die chronische Erhöhung der Druckwerte im arteriellen Gefässsystem mit sekundären Schädigungen an verschiedenen Organen.

Ursache(n)

Unter normalen Bedingungen passt sich der Blutdruck des Menschen den Erfordernissen der Kreislaufsituation an, wobei die komplexe Blutdruckregulierung sowohl über Hormone als auch über das vegetative Nervensystem erfolgt. Bei körperlicher Belastung erhöht sich der Blutdruck, unter Ruhebedingungen sinkt er ab.

Durch eine Reihe von Krankheitsprozessen kann dieses Blutdrucksystem aus der Balance geraten - mit permanent erhöhten Werten, zu niedrigen Werten oder inadäquaten Blutdruckschwankungen.

In ungefähr 80 Prozent der Fälle von Bluthochdruck liegen genetische Ursachen vor, die vor allem im höheren Alter zu einer Abnahme der Gefässelastizität führen. Unter diesen Bedingungen muss dass Herz gegen einen erhöhten Widerstand im Gefässsystem ankämpfen, was sich als Bluthochdruck bemerkbar macht.

Im Gegensatz zu dieser primären Form sind beim sekundären Bluthochdruck konkrete Organursachen für die Blutdruckerhöhung verantwortlich. Hierunter fallen Anomalien des Herzkreislaufsystems selbst, wie die Aortenisthmusstenose, aber auch Erkrankungen von Seiten der Nieren oder des Hormonsystems. Da die Niere als wichtiges Ausscheidungsorgan eine zentrale Rolle bei der Regulation des Wasserhaushaltes und des Blutdrucks wahrnimmt, gehen Erkrankungen diese Organs oftmals auch mit Störungen des Blutdrucks einher. Alle krankhaften Prozesse, die zu einer Minderdurchblutung der Niere führen, wie zum Beispiel eine Einengung der Nierenschlagader, können mit erhöhten Blutdruckwerten einhergehen.

Merkmale, Diagnostik, Verlauf

Klassischerweise wird der arterielle Blutdruck über eine Manschette am Oberarm gemessen. Damit oder mit modernen, automatischen Blutdruckmesssystemen (zum Beispiel Handgelenksmessgeräte) werden normalerweise ein oberer (systolischer) und ein unterer (diastolischer) Blutdruckwert ermittelt, die als Druck einer Quecksilbersäule (mm Hg) angegeben werden.

Der systolische Blutdruckwert spiegelt den bei der Kontraktion der linken Herzkammer erzeugten Druck wider. Der diastolische Wert hängt in starkem Masse vom Kontraktionszustand und der Elastizität des Gefässsystems ab. Bei Gesunden liegen die Ruheblutdruckwerte permanent unter 140/90 mmHg.

Von Bluthochdruck spricht bei einem in Ruhe gemessenen systolischen Blutdruck von über 160 mm Hg sowie einem diastolischen Blutdruck von über 95 mm Hg. Der Bereich zwischen 140 und 160 mm Hg systolisch sowie 90 und 95 mm Hg diastolisch kennzeichnet den grenzwertigen Bluthochdruck. Bei diastolisch permanent über 120 mm Hg erhöhten Druckwerten liegt ein sogenannter bösartiger Bluthochdruck vor, der fast immer auch zu deutlichen Beschwerden führt.

Die oben genannten Angaben gelten normalerweise nur unter Ruhebedingungen, da bei körperlicher Belastung der Blutdruck auch bei Gesunden ansteigt. Steigt der Blutdruck nur unter Belastung überproportional, also über die normale Anpassungsreaktion hinaus an, spricht man von Belastungsbluthochdruck.

Im englischsprachigen Raum wird der Bluthochdruck prägnant als "silent killer" bezeichnet, wodurch das oftmalige Fehlen von deutlichen Beschwerden, aber auch die fatalen Auswirkungen eines langjährigen Bluthochdrucks zum Ausdruck gebracht werden.

Krankhafte Auswirkungen von Bluthochdruck finden sich vor allem an den kleinen Blutgefässen: Sie werden in ihrer Struktur und Transportleistung beeinträchtigt, was zu sekundären Schädigungen unterschiedlicher Organsysteme wie Herz, Nieren, Augen und Gehirn führen kann. Langjähriger Bluthochdruck stellt den wichtigsten Risikofaktor für Schlaganfälle dar!

Bluthochdruck kann jahrelang beschwerdefrei oder beschwerdearm verlaufen, bevor die sekundären Organschädigungen sich über Schwindel, Sehstörungen, Symptome von Seiten des Herzens oder der Nieren äussern.

Bei der Diagnostik des Bluthochdrucks kommt der Unterscheidung zwischen primären, genetisch bedingten, und sekundären Formen des Bluthochdrucks als Folge von Nierenfunktionsstörungen oder hormonellen Störungen eine zentrale Bedeutung zu. Bei Nachweis einer zugrundeliegenden Organursache kann der Bluthochdruck durch eine effektive Behandlung des Grundproblems nämlich geheilt werden.

Praktisch bedeutet dies, dass bei Feststellung von Bluthochdruck zum Beispiel durch regelmässige Ruheblutdruckmessungen, Blutdruckmessungen im Rahmen eines Belastungs-Elektrokardiogramms (EKG) oder 24h-Blutdrucklangzeitmesssung auf jeden Fall die Nieren, das Herz und das Hormonsystem des Patienten einer eingehenden Untersuchung unterzogen werden sollten. Bei diesbezüglich unauffälligen Befunden wird im Ausschlussverfahren die Diagnose eines primären Bluthochdrucks gestellt.

Komplikationen

Bei jahrelangem Bluthochdruck muss als Folge der chronischen Gefässschädigungen mit schweren Erkrankungen unterschiedlicher Organsysteme gerechnet werden. Am Herzen stellt Bluthochdruck eine ständige Überlastung vor allem der linken Herzkammer dar, die schliesslich in Herzmuskelschwäche münden kann. Zudem begünstigt der Bluthochdruck die Arteriosklerose der Herzkranzgefässe mit der möglichen Folge von Durchblutungsstörungen am Herzen sowie Herzinfarkten.

Die Schädigung der Hirngefässe durch Bluthochdruck ist besonders gefährlich, da Schlaganfälle daraus resultieren können. Sind Nierengefässe durch langjährigen Bluthochdruck betroffen, kann die Niere in ihrer Funktion zunehmend beeinträchtigt werden. Blutdruckbedingte Veränderungen an den Augenhintergrundsgefässen können zu Sehbehinderungen und im Extremfall zur Erblindung führen. In selteneren Fällen kann Bluthochdruck auch Durchblutungsstörungen der Extremitäten, vor allem der Beine hervorrufen.

Behandlung

Zur Verhinderung von Sekundärkomplikationen erfordert der primäre Bluthochdruck eine frühzeitige und konsequente Behandlung durch Allgemeinmassnahmen und Medikamente. Unter Allgemeinmassnahmen versteht man vor allem Gewichtsregulierung bei Übergewicht, fettarme Diät bei Fettsstoffwechselstörung, salzarme Ernährung, Abbau von psychischen Stressfaktoren und regelmässige körperliche Betätigung.

Da sich das Risiko von Gefässerkrankungen bekanntermassen bei Vorliegen von mehreren entsprechenden Risikofaktoren potenzieren kann, sollten zusätzliche gefässschädigende Faktoren wie zum Beispiel Rauchen und Zuckerkrankheit in besonderem Masse unter Kontrolle gebracht werden.

Zur medikamentösen Behandlung des Bluthochdrucks stehen dem Arzt heutzutage eine ganze Reihe von hochwirksamen Substanzen zur Verfügung, die einzeln oder in Kombination bei Patienten individuell eingesetzt werden können. Blutdruckwirksam sind hierbei Medikamente, die die Wasser- und Salzausscheidung der Nieren anregen, die Gefässe erweitern oder das vegetative Nervensystem dämpfen.

Bei Nachweis eines sekundären Bluthochdrucks im Gefolge einer Nieren- oder Hormonerkrankung sollte die Behandlung auf die Beseitigung der entsprechenden Ursache abzielen. Dies kann Aufdehnung von Engstellen der Nierenschlagader durch Ballonkatheter, Operation einer Aortenisthmusstenose, operative Entfernung von Nieren- oder hormonproduzierenden Geschwülsten oder medikamentöse oder anderweitige Behandlung von Hormonstörungen wie zum Beispiel Schilddrüsenüberfunktionen bedeuten.

Natürlich müssen bei Organkomplikationen wie Sehstörungen, Nierenfunktionsstörungen, Durchblutungsstörungen des Herzens oder Schlaganfälle die Diagnose- und Behandlungsmöglichkeiten der jeweiligen Spezialisten ausgeschöpft werden.

Vorbeugende Massnahmen

Auch bei völliger Beschwerdefreiheit sollten im Sinne eines vorbeugenden Check-ups für Herzkreislauferkrankungen regelmässige Blutdruckkontrollen beim Arzt erfolgen, da die besondere Gefahr des Bluthochdrucks seine Symptomarmut ist. Nur die frühzeitige Diagnose erhöhter Blutdruckwerte ermöglicht wirksame Gegenmassnahmen und eine effektive Behandlung noch im Frühstadium. Da Erkrankungen des Gefässsystems sich zum grössten Teil gegenseitig bedingen und fördern, sollten alle denkbaren zusätzlichen Gefässrisikofaktoren wie Rauchen, Zuckerkrankheit und Bewegungsmangel unter Kontrolle gebracht werden, um das Auftreten eines Bluthochdrucks zu verhindern oder zumindest in seinen Auswirkungen zu begrenzen.

Literatur

Risiko Bluthochdruck. Ursachen, Vorbeugen, erfolgreiche Naturheilverfahren. Autor: Gerhard Leibold W. Jopp Verlag, Wiesbaden, 1998ISBN: 3896981064
Hoher Blutdruck. Ein aktueller Ratgeber Autoren: Reinhard Gotzen, Friedrich W. Lohmann Steinkopff-Verlag, Darmstadt 2000ISBN: 3798512167

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