Leistenhernie

Definition

Eine Hernie ist eine krankhafte Ausstülpung des Bauchfells (Peritoneum) durch eine angeborene oder erworbene Lücke in der Bauchwand. Hierbei umhüllt das Bauchfell als Bruchsack den Bruchsackinhalt (beispielsweise Dünndarmschlinge, Teile des grossen Netzes) und stülpt sich durch die Bruchpforte nach aussen.

Hernien können überall im Bereich der Bauchwand auftreten, am häufigsten sind sie jedoch in der Leistengegend zu finden. Reicht der Bruchsack bei Männern bis in den Hodensack (Skrotum), spricht man von einer Inguinoskrotalhernie.

Ursache(n)

Die Leistenhernie ist eines der häufigsten chirurgischen Krankheitsbilder, das Verhältnis Männer zu Frauen beträgt zirka 8:1. Der Leistenkanal verläuft entlang des Leistenbandes und hat seinen Eingang im Bereich der Bauchhöhle und den Ausgang im Sehnenspiegel des äusseren Bauchmuskels. Beim Mann verläuft hier der Samenstrang ins Skrotum, bei der Frau ein Band zu den äusseren Schamlippen. Der Bruch kann sich entlang dieses Kanals entwickeln, wenn es zur Alterung und Auflockerung des Bindegewebes im Bereich des Eingangs des Leistenkanals kommt. Bei Kindern besteht eine angeborene Ausstülpung des Bauchfells in den Leistenkanal (processus vaginalis). Normalerweise schnürt sich diese durch Verödung später ab. Bleibt sie offen, so bildet sich eine Hernie. Neben diesen anatomischen Gegebenheiten ist ein weiterer Wegbereiter der Hernie die Erhöhung des Druckes im Bauchraum durch Einsatz der Bauchpresse wie es beim Husten, Niesen oder Pressen geschieht. Eine Erhöhung der Bauchmasse, beispielsweise durch Übergewicht, erzeugt ebenfalls Druck. Erkrankungen respektive Zustände, die mit diesen Symptomen einhergehen, sind:
  • Verstopfung (Obstipation)
  • Vergrösserung der Vorsteherdrüse (Prostatahyperplasie) mitSchwierigkeiten beim Wasserlösen
  • Chronische Bronchitis
  • Schwangerschaft
  • Krankheiten, die mit einem Wasserbauch (Aszites) einhergehen
  • Darmtumoren (Kolonkarzinom)

Merkmale, Diagnostik, Verlauf

Bei einer unkomplizierten Leistenhernie beginnen die Beschwerden mit ziehenden Schmerzen in der Leistengegend oder im Unterbauch. Diese verstärken sich beim Gehen, beim Heben schwerer Lasten oder beim Husten, Niesen oder Pressen. Häufig ist die Hernie auch schmerzlos, und die PatientIn bemerkt zufällig eine Vorwölbung in der Leiste.

Bei der Untersuchung sieht man die Hernie entweder beim Seitenvergleich, oder sie tritt beim Husten vor. Beim Austasten des Leistenkanals mit dem Zeigefinger entlang dem Samenstrang beim Mann kommt es beim Pressen zu einem Anprall des Bruchsackes und der Ausgang des Leistenkanals lässt sich weit tasten. Der Bruchsack mit Inhalt kann ohne Probleme durch diese Pforte in den Bauchraum zurückgeschoben werden (Reposition).

Dies ist bei der eingeklemmten (inkarzerierten) Hernie nicht mehr möglich. Die PatientIn hat starke Schmerzen, der Bruchsack ist hart. Ist zudem eine Darmschlinge eingeklemmt, so finden sich die Zeichen eines akuten Abdomens oder Ileus.

Aehnliche Symptome wie die unkomplizierte Hernie verursachen beim Mann der Wasserbruch (Hydrozele), Krampfadern des Skrotums (Varikozele) und bei der Frau die Hernie unterhalb des Leistenbandes (Femoralhernie). In seltenen Fällen kann auch eine Lymphknotenschwellung in der Leiste ähnliche Beschwerden verursachen.

Komplikationen

Die Komplikationen bei oder nach der Operation sind insgesamt selten:
  • Wundinfektion
  • Schmerzen durch Verwachsungen oder Einklemmung eines Hautnerven
  • Verletzung oder Einengung des Samenstranges
  • erneute Bildung eines Bruches (Rezidiv)
In der postoperativen Phase ist der/die PatientIn für zirka 14 Tage arbeitsunfähig und darf sechs Wochen lang nicht schwerer als 5 kg heben oder tragen. Definitiv fest ist der Verschluss der Bruchlücke durch Narbenbildung erst nach drei Monaten.

Behandlung

Im Prinzip sollte jede Leistenhernie in jedem Alter operiert werden, da stets die Gefahr der Einklemmung (Inkarzeration) besteht und die Komplikationen einer Notfalloperation immer grösser sind als bei einem geplanten und vorbereiteten Eingriff. Ausgenommen sind lediglich PatientInnen im Endstadium eines Tumorleidens. Eine Heilung durch konservative Massnahmen gibt es nicht. Bruchbänder schwächen die Bauchdecke, "Bruchturnen" erhöht die Gefahr der Inkarzeration.

Die Operation kann in der Regel in lokaler Betäubung durchgeführt werden, bei ängstlichen Patienten oder Kindern meist in Vollnarkose. Bei der Operation wird der Bruchsack dargestellt, abgetragen und die Bruchpforte verschlossen. Dies erfolgt in der Regel im Rahmen einer offenen Operation.

In den letzten Jahren hat man auch eine Technik entwickelt, bei der die Bruchpforte mit einem eingelegten Kunststoffnetz verschlossen wird. Dies kann auch endoskopisch erfolgen. Hierzu ist jedoch immer eine Voll- oder Rückenmarksnarkose notwendig. Langzeiterfahrungen liegen noch nicht vor. In jedem Fall bleibt die Einlage eines Kunststoffnetzes der Rezidivhernie oder sehr grossen Hernien vorbehalten. Bei letzteren kann dies jedoch erst intraoperativ entschieden werden.

Vorbeugende Massnahmen

Übergewicht ist zu vermeiden. Bei Krankheiten, die zu einer Erhöhung des Drucks im Bauchraum führen, sollten Gegenmassnahmen ergriffen werden:
  • Chronische Obstipation: auf weichen Stuhl achten
  • Chronische Bronchitis: insbesondere das Rauchen unterlassen
  • Prostatahyperplasie: Behebung der Prostatavergrösserung bei Schwierigkeiten beim Wasserlösen

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