Grüner Star

Definition

Als Glaukom bezeichnet man eine ganze Gruppe von Krankheitsbildern, bei denen aufgrund eines Druckanstieges im Auge das Sehvermögen zunehmend eingeschränkt wird: Primäres Glaukom:
Offenwinkel-Glaukom oder Glaucoma simplex
Winkelblock-Glaukom oder akuter Glaukomanfall
Angeborenes Glaukom
Sekundäres GlaukomDer Begriff stammt aus den hippokratischen Schriften und stand für eine bläuliche (meerfarbene) Trübung der Pupille. Das Glaukom wird auch häufig als Grüner Star bezeichnet. «Grüner Star» ist auf den für diese Augenerkrankung typischen Reflex der Linsen (seit Ende des 18. Jahrhunderts wurde die Pupillenfarbe bei Glaukom nicht mehr als blau, sondern als grün interpretiert) und den im Spätstadium auffallend starren Blick der Betroffenen zurückzuführen.

Ursache(n)

Das Glaukom ist letztendlich eine Erkrankung des Sehnervs. Seine Aufgabe besteht darin, mit den Augen erfasste Bilder zum Gehirn weiterzuleiten. Durch ein Glaukom kann der Sehnerv geschädigt werden, was zu Abnahme der Sehkraft und Einschränkung des Blickfeldes führt. Die Hauptursache für ein Glaukom ist erhöhter Druck im Auge. Normalerweise beträgt der Augeninnendruck 11 bis 21 mmHg.

Der Augeninnendruck steigt, wenn das Kammerwasser (klare Flüssigkeit in den Augäpfeln) nicht mehr abfliessen kann. Das Kammerwasser wird vom sogenannten Strahlenkörper gebildet und über den Kammerwinkel (Trabekelwerk) aus dem Auge in die Blutgefässe abgeleitet. Man muss sich das Kammerwasser, das nicht Teil der Tränen ist, wie eine Reinigungslösung vorstellen, die das Auge ständig spült und so mögliche Verunreinigungen fortlaufend aus dem Auge herauswäscht.

Wenn der Abflussmechanismus für das Kammerwasser verstopft ist, kommt es zur vermehrten Ansammlung von Flüssigkeit im Auge. Als Folge steigt der Augeninnendruck auf Werte über 30 mmHg. Je stärker der Druck zunimmt, umso grösser ist die Gefahr, dass der Sehnerv geschädigt wird. Oft bemerken die Betroffenen die hieraus resultierende Einschränkung des Blickfeldes nicht, bis der Sehnerv bereits sehr stark beschädigt ist.

Man unterscheidet zwischen primären und sekundären Glaukomen. Im Gegensatz zu den primären Formen, die ein eigenständiges Krankheitsbild darstellen, spricht man von einem sekundären Glaukom, wenn eine andere Erkrankung wie beispielsweise eine Verletzung, Entzündung oder ein Tumor zum Glaukom führt. Weiterhin unterteilt man Glaukome in akute (zum Beispiel Glaukomanfall) und chronische (zum Beispiel primär chronisches Offenwinkel-Glaukom) Verlaufsformen.

Merkmale, Diagnostik, Verlauf

Die typischen Merkmale eines Glaukoms sind neben zunehmender Verschlechterung der Sehkraft unter anderem Schleier vor den Augen, starke Augenschmerzen, Kopfschmerzen sowie Übelkeit bis hin zum Erbrechen. Durch regelmässige Untersuchungen der Augen bei einem Augenarzt kann ein Glaukom frühzeitig erkannt werden. Im Rahmen einer umfassenden Untersuchung misst der Augenarzt den Augeninnendruck, er sucht mögliche Gesichtsfeldeinschränkungen sowie eine Beschädigung des Sehnervs. Zur Messung des Augeninnendrucks gibt es verschiedene Methoden:
Mit Hilfe eines sogenannten Applanationstonometers wird mit einem kleinen Messköpfchen der Druck im Auge bestimmt, den der Arzt dann auf einer Messskala ablesen kann. Vor dieser Untersuchung wird das Auge örtlich betäubt, so dass diese Untersuchung völlig schmerzfrei ist.
Der Augeninnendruck kann auch mit Hilfe eines leichten Luftstrahles bestimmt werden, der auf das Auge gerichtet wird. Anhand seiner Reflexion lässt sich ebenfalls der Augeninnendruck ermitteln.
An der Universitätsklinik Zürich wird der Druck neuerdings mit dem in Zusammenarbeit mit einer Schweizer Firma entwickelten Gerät Smart-Lens gemessen. Dabei wird eine Kontaktlinse direkt auf das Auge aufgesetzt. Das Gerät misst den Druck im Augapfel, während der Untersucher den Augenhintergrund beobachten kann. Die Werte werden an einen Computer überspielt und ausgewertet. Neu ist, dass der Augenhintergrund gleichzeitig mit der Druckmessung beobachtet werden kann, was bis anhin nur nacheinander möglich war. Dadurch kann der Arzt eine Schädigung des Sehnervs schon sehr früh erkennen und so manchen Augenschaden noch rechtzeitig verhindern.

Komplikationen

Wenn eine Glaukom nicht rechtzeitig erkannt wird, dann kann sich im Spätstadium die Sehkraft so sehr verschlechtern, dass es zur Erblindung kommt.

Behandlung

Frühzeitige Erkennung und Behandlung sind die beiden wichtigsten Faktoren, um eine glaukombedingte Schädigung des Sehnervs zu verhindern. Wird ein Glaukom festgestellt, dann gibt es mehrere Behandlungsmöglichkeiten.

In den meisten Fällen wird ein Glaukom zunächst mit Augentropfen behandelt, die mehrmals am Tag genommen und manchmal mit Tabletten kombiniert werden. Diese Medikamente erniedrigen den Augendruck, indem sie die Bildung des Kammerwassers verringern oder dessen Abfluss aus dem Kammerwinkel verbessern.

Erst wenn die medikamentöse Behandlung keine zufriedenstellenden Erfolge zeigt oder Erblindung droht, kommt eine Operation in Frage. So kann beim Offenwinkel-Glaukom das Trabekelwerk im Kammerwinkel durch eine direkte Bestrahlung mit Laserlicht behandelt werden. Durch den chirurgischen Eingriff kann der Kammerwasserabfluss deutlich verbessert und somit ein krankhaft erhöhter Augendruck wieder erniedrigt werden.

Beim akuten oder chronischen Winkelblock-Glaukom wird hingegen mit Hilfe des Laserstrahls eine kleine Öffnung in die Iris gemacht, durch die die Kammerwasserflüssigkeit besser abfliessen kann und der erhöhte Druck im Auge wieder auf den Normalwert sinken kann.

Vorbeugende Massnahmen

Eine Erhöhung des Augeninnendrucks tritt vor allem ab dem vierzigsten Lebensjahr auf, ohne dass man Schmerzen oder Sehstörungen hat. Daher sollten die Augenuntersuchungen ab diesem Alter in regelmässigen Abständen wiederholt werden, um so zu kontrollieren, ob eine glaukombedingte Schädigung vorliegt. Zudem sollte das Rauchen vermieden werden, da Nikotin zu einer verminderten Blutzufuhr zum Sehnerv führt und so vor allem bei einem bestehenden Glaukom eine erhebliche zusätzliche Gefahr darstellt. Übermässige emotionale Belastungen und Stress sollten ebenfalls vermieden werden.

Literatur

Der Grüne und der Graue Star.Autor: Matthias SachsenwegerVerlag Gesundheit Berlin 1998ISBN: 3333010305

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