Niereninsuffizienz, Chronische

Komplikationen

Unbehandelt führt eine Niereninsuffizienz zu massiven Wassereinlagerungen (Ödeme), Krampfanfällen, Herzbeutelentzündung (Perikarditis) und Magendarmentzündung (Gastroenteritis) mit Erbrechen und Durchfall.Durch die Hämodialyse kann es zu Blutungen und Blutgerinnseln (Thrombosen) kommen. Auch Infektionen (mit Bakterien oder Viren: Hepatitis, HIV!) durch im Dialysegerät vorhandene Erreger können nicht gänzlich ausgeschlossen werden. Die veränderte Elektrolytzusammensetzung (insbesondere Kalium) im Blut kann schwerwiegende Folgen haben wie beispielsweise Herzrhythmusstörungen. Aluminiumablagerungen im Gehirn können bei Dialysepatienten zu einer frühzeitigen Demenz führen. Bei der Peritonealdialyse besteht die Gefahr einer Entzündung des Bauchfells (Peritonitis), welche sofort behandelt werden muss.

Die Nierentransplantation kann eine Abstossungsreaktion zur Folge haben, die durch Medikamente in Schach gehalten wird. Diese Mittel (Immunsuppressoren) haben jedoch selber zum Teil erhebliche Nebenwirkungen: Verminderung der Blutplättchen und der weissen Blutkörperchen. Daraus resultiert eine allgemeine Schwächung des Immunsystems, was sich in einem vermehrten Auftreten von Krebs und einer grösseren Anfälligkeit gegenüber Infektionen zeigt. Auch die Spenderniere wird durch diese Medikamente geschädigt.

Behandlung

Nach der Behandlung der Grunderkrankung und dem Weglassen aller schädigenden Substanzen (Schmerzmittel!) ist es wichtig, den Harnstoffblutspiegel mit Hilfe einer eiweissarmen Diät möglichst niedrig zu halten. Durch reichliche Flüssigkeitszufuhr (2,5 Liter pro Tag) und die Gabe wassertreibender Medikamente (Diuretika) kann die Harnstoffausscheidung erhöht werden. Die Kontrolle von Wasser- und Salzzufuhr, von Elektrolyten und Medikamentenspiegeln im Blut sowie des Körpergewichts sind unabdingbar. Treten Mangelerscheinungen auf (siehe oben), müssen diese durch Ersatz der jeweiligen Substanzen behoben werden.

Lesen Sie dazu auch die Empfehlungen zur Ernährung bei Niereninsuffizienz.

Verschlechtert sich der Zustand der Nieren, muss der Patient einer Dialyse oder einer Hämofiltration zugeführt werden. Bei der Dialyse kann neben der klassischen Methode, bei der der Patient drei Mal wöchentlich an ein Gerät angeschlossen wird, welches das Blut reinigt, (Hämodialyse) auch die Peritonealdialyse angewendet werden. Hier kann der Betroffene selbständig mehrmals täglich die angesammelten Schlackestoffe aus dem Bauchfell (Peritoneum) herauswaschen. Der Bauchraum wird über einen Katheter, der die Bauchwand durchdringt, mit einer speziellen Spüllösung gefüllt und kurze Zeit später wieder entleert. Die austretende Flüssigkeit enthält die Stoffe, die normalerweise über die Niere ausgeschieden werden. Von vielen Anwendern wird die Unabhängigkeit und die bessere Verträglichkeit geschätzt, die mit dieser Methode verbunden ist. Allerdings setzt sie peinlichste Hygiene und ein hohes Mass an Disziplin und Eigenverantwortung voraus.

Wie der Name schon sagt, wird bei der Hämofiltration der Filtrationsvorgang der Nieren künstlich nachgeahmt. Von einigen Spezialisten wird dieses Verfahren, bei dem das Blut durch eine Art «Sieb» gepresst wird, der besseren Verträglichkeit und der geringeren Komplikationen wegen bevorzugt empfohlen.

Eine Alternative zur Dialyse stellt die Organtransplantation dar. Der Hauptbeweggrund für diesen Entscheid ist für viele Betroffene die Unabhängigkeit und ein grosses Stück Lebensqualität, das damit zurückgewonnen werden kann. Eine Grosszahl von Transplantierten sind glücklich mit ihrem Entschluss und würden ihn jederzeit wieder fassen. Die Kehrseite der Medaille ist, dass weitaus mehr Menschen ein Organ brauchen, als es Spender gibt, was mitunter lange Wartezeiten zur Folge hat. Allerdings werden heute zunehmend auch Nieren von gesunden Verwandten oder vom Lebenspartner gespendet. Die Tatsache, dass lebenslang Medikamente eingenommen werden müssen, die erhebliche Nebenwirkungen haben können, muss bei der Entscheidung ebenfalls berücksichtigt werden. Auch das Risiko einer Transplantatabstossung darf trotz wirkungsvollen Medikamenten nie ausser Acht gelassen werden.

Vorbeugende Massnahmen

Durch rechtzeitige Erfassung und Behandlung der Grunderkrankung lässt sich in einigen Fällen (zum Beispiel bei Diabetes oder Bluthochdruck) der Untergang der Niere verzögern oder sogar aufhalten. Entzündungen im Bereiche der Blase und des Nierenbeckens müsse frühzeitig erkannt und therapiert werden. Bei Autoimmunerkrankungen ist dies leider nicht immer möglich, weshalb die Dialyse oder eine Transplantation unumgänglich sind.

Um die Ansteckungsgefahr durch die Hämodialyse zu verringern, sollten alle Exponierten gegen Hepatitis B geimpft werden.

Ein vernünftiger Umgang mit Medikamenten und eine ausreichende Flüssigkeitszufuhr (empfehlenswert ist besonders Grüntee, da dieser auch wassertreibend wirkt) verhindert die Ansammlung von Giftstoffen in den Nieren und hilft diese auszuscheiden. Damit ist nicht nur den Nieren sondern dem gesamten Organismus geholfen.

Literatur

Nierentransplantation.Ein Ratgeber für Patient und Angehörige. Autoren: Rose Eismann, Jürgen Konert, Jörg Schabel TRIAS-Verlag Stuttgart 2000ISBN: 3893735763
Nierentransplantation. Grundlagen, Vor- und Nachsorge,Langzeitüberwachung. Autor: Rudolf P. Wüthrich Springer-Verlag 1995ISBN: 3540585079
Dialyse und Nierentransplantation Wissensch. Verlag Stuttgart 1998ISBN: 3804708420
Maudrichs neuzeitliche Diätküche (Diätvorschriften) H.18, Diät bei Erkrankungen der Niere. Autoren: Ernst Kriehuber, Johanna KriehuberErschienen 1992 ISBN: 3851755626
Abwechslungsreiche Diät für Nierenkranke. Autoren: Reinhold Kluthe, Herbert QuirinTRIAS, Stgt. 1998 ISBN: 3893734244
Sport- und Bewegungstherapie für chronisch Nierenkranke. Autoren: Anton E. Daul, Rolfdieter Krause, Klaus VölkerDustri-Vlg., Deisenho. 1997 ISBN: 3871852635

Definition

Das Nierenversagen kann plötzlich und unvorhergesehen (akut) auftreten oder schleichend und lange unbemerkt (chronisch) vor sich gehen.

Die chronische Niereninsuffizienz ist gekennzeichnet durch zunehmende Funktionseinschränkung der Nieren. Diese geht meist mit einer irreversiblen Schädigung des Organs einher. Sie verläuft schleichend und anfangs unbemerkt. Erst im Endstadium wird sie symptomatisch, wenn die auszuscheidenden Stoffe nicht mehr über die Nieren aus dem Körper transportiert werden können.

Ursache(n)

Eine chronische Entzündung der kleinsten Gefässe der Niere (Glomerulonephritis) führt zur zunehmenden Vernarbung und Verklumpung des Organs. Dieser Vorgang ist auf übersteigerte Reaktion des Körpers gegen eigene Strukturen (Autoimmunerkrankung) zurückzuführen. Auslöser dafür können gewisse Medikamente aber auch bakterielle oder andere, chronische Infektionen sein.

Zuckerkrankheit (Diabetes) ist eine weitere wichtige Ursache die zunehmend an Bedeutung gewinnt. Der konstant hohe Zuckerspiegel im Blut schädigt nicht nur Gefässe im Herzen, in den Beinen oder in den Augen, sondern ganz wesentlich auch jene im gefässreichsten Organ unseres Körpers, der Niere. Die winzigen Gefässknäuel verstopfen und veröden schliesslich. Blut kann nicht mehr gefiltert und somit nicht mehr von Schlackestoffen befreit werden. Ebenso kann unkorrigierter Bluthochdruck die Gefässe mechanisch schädigen, mit dem gleichen Resultat.

Von den Genitalien und der Blase aufsteigende Infekte können zu einer Entzündung des Nierenbeckens oder der gesamten Niere führen. Hält diese unbehandelt längere Zeit an, wird das Organ durch Bakterien und das eigene Immunsystem unwiderruflich zerstört.

Genetisch bedingte, zystische Nierenveränderungen können sich erst im Erwachsenenalter durch eine schwindende Ausscheidungsleistung der Nieren bemerkbar machen. Das blasenartig umgewandelte Nierengewebe kann die Funktion zusehends weniger wahrnehmen.

Auch die Einnahme von gewissen Medikamenten (Schmerzmittel!) über einen längeren Zeitraum fügt dem Organ erheblichen Schaden zu. Sie vermindern die Nierendurchblutung und entziehen der Niere die Nährstoff- und Sauerstoffzufuhr.

Merkmale, Diagnostik, Verlauf

Die Krankheit bleibt lange unbemerkt, weil die Niere über grosse Reservekapazitäten verfügt. Treten die ersten Zeichen einer Niereninsuffizienz auf, sind bereits erhebliche, häufig nicht wiedergutzumachende Defekte aufgetreten.

Wasser, Harnstoff, Harnsäure, Ammoniak, diverse Elektrolyte und eine Menge anderer Substanzen bleiben bei Versagen der Nieren im Körper zurück anstatt ausgeschieden zu werden. Daraus resultieren Schwächegefühl, Kopfschmerzen, Konzentrationsschwäche, starke Müdigkeit bis hin zum Koma. An der Haut machen sich Farbveränderungen (Milchkaffeefarbe) und Juckreiz bemerkbar. Durch die Überwässerung kommt es zu einer Flüssigkeitsansammlung in der Lunge, zu Bluthochdruck und in der Folge zu einer Überlastung des Herzens. Da die blutdruckregulierende Funktion der Niere mit dem Untergang des Organs ebenfalls erlischt, wird eine bestehende Hypertonie noch zusätzlich verstärkt.

Langfristig entstehen auch Mangelerscheinungen im Zusammenhang mit dem Wegfallen einiger Substanzen, welche nur von der Niere produziert werden: Blutarmut ist Folge des Erythropoetinmangels. Gesunde Nieren wandeln Vitamin D-Vorstufen in die aktive Form um. Weil das für die Knochendichte verantwortliche Vitamin bei Nierenversagen nicht mehr genügend vorhanden ist, kommt es zu einem der Rachitis ähnlichen Krankheitsbild.

Der Arzt erkennt einen Menschen mit Nierenversagen anhand seiner Symptome. Um Sicherheit über das Ausmass der Schädigung zu erlangen, bestimmt er Blut- und Urinwerte und nimmt eine Ultraschalluntersuchung vor.

Leider ist die Wahrscheinlichkeit, eine insuffiziente Niere zu verlieren, relativ gross. Da meistens beide Nieren betroffen sind, bedeutet dies entweder Dialyse oder Transplantation. Von den dialysierten Patienten überleben mehr als die Hälfte die nächsten 10 Jahren. Mit Hilfe moderner Medikamente ist es heute möglich, dass auch über drei Viertel aller transplantierten Nieren langfristig funktionieren.

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