Eigenblutspende

Information zur Eigenblutspende

Die Eigenblutspende stellt ein besonderes Verfahren dar, um für den Fall einer Operation Blut zur Transfusion zur Verfügung zu stellen. Die Eigenblutkonserve wird nach den für die Blutkonservenherstellung geltenden Richtlinien hergestellt

 Möglich ist eine Eigenbluttransfusion grundsätzlich, wenn die räumlichen und personellen Voraussetzungen des Krankenhauses gegeben sind und der Gesundheitszustand des Patienten eine Eigenblutspende zulässt. Eine Eigenblutabnahme und -transfusion ist also nur dann möglich, wenn der Arzt das Risiko dieser Massnahme geringer oder höchstens genau so hoch einschätzt wie das Risiko einer Fremdblut-Transfusion.

 Während die Risiken der Fremdblut-Transfusion umfangreich erforscht wurden, ist das für die Eigenbluttransfusion nicht der Fall. Eine Bewertung des Risikos einer Eigenblutentnahme und -transfusion ist also für den Arzt schwierig.

 

Risiken im Zusammenhang mit der Eigenblutspende

   Die Entnahme von Blut zur Herstellung von Blutkonserven stellt einen Eingriff dar. Sie ist mit einem gewissen Risiko verbunden, das sich vor allem auf Kreislauf-Reaktionen bezieht. Auch die Bildung eines Blutergusses an der Punktionsstelle ist nicht auszuschliessen. Eine Neigung zu Thrombosen kann ebenfalls zu Komplikationen führen. Risiken aus der Anwendung der Eigenblutkonserve ergeben sich aus dem klinischen Zusammenhang; sie können zum Zeitpunkt der Eigenblutspende in der Regel nicht abgeschätzt werden.

 

Eine Eigenblutentnahme ist nicht möglich bei

- Anämien mit einem Hämoglobinwert unter 12 g/dl vor der ersten Entnahme 

- einem Körpergewicht unter 50 kg 

- akuten Infektionen, besonders bei bakteriellen Infektionen 

- behandlungsbedürftigen Herzerkrankungen, zum Beispiel bei frischem Herzinfarkt innerhalb der letzten 3 Monate

- Herzschwäche

- instabiler Angina pectoris

- schweren Herzrhythmusstörungen  

- Aortenstenose (Verengung der Aorta) 

- zerebralen Anfallsleiden  

- Lungenerkrankungen

- Kontrastmittelgabe vor weniger als 48 Stunden 

- Bettlägerigkeit   

 

Abwicklung der Eigenblutspende

  Die Eigenblutspende soll in enger Kooperation zwischen Hausarzt, Krankenhaus, Patient und Transfusionsmediziner geplant und durchgeführt werden. Dies beinhaltet die Information über Operationsindikation, klinisch relevante Daten, vorgesehener Operationstermin, damit rechtzeitig ausreichend Eigenblut zur Verfügung gestellt werden kann: Minimum 2 Konserven, Maximum 4 Konserven. Diese Begrenzung ergibt sich vor allem aus der begrenzten Haltbarkeit der Blut-/Erythrozytenkonzentrate, während nach Aufarbeitung anfallendes Frischplasma tiefgekühlt lange haltbar ist.

 Wie erfolgt die Eigenblutabnahme? 

 Beteiligt sind der Chirurg, der die Eigenblut-Übertragung vorschlägt, der Hausarzt, der durch die bessere Kenntnis der gesamten Krankengeschichte das Risiko besser einschätzen kann, der Arzt des Bluttransfusionsdienstes, der über die praktische Durchführbarkeit entscheidet und der Arzt, der später die Transfusion durchführt. 

 Da das Eigenblut maximal 35 Tage gelagert werden kann, sollten 3 (maximal 4) Blutentnahmen im Abstand von je einer Woche durchgeführt werden. Zwischen der letzten Blutentnahme und Operation sollte eine Woche Abstand liegen. Man kann so 3 (maximal 4) Erythrozytenkonzentrate (Konzentrate aus den roten Blutkörperchen) und 3 (maximal 4) frisch gefrorene Plasmen (aus flüssigen Blutbestandteilen) für die Operation bereitstellen. 

 Die Blutentnahmen erfolgen unter Kontrolle der Hämoglobin-Werte (nicht unter 12 g/dI) und unter Gabe von Eisen (mindestens 200 mg/Tag), beginnend mit der ersten Einnahme 

 Übertragung von Infektionserregern 

 Bei Eigenbluttransfusion wird kein Risiko einer Infektionsübertragung angenommen. Die Blutentnahme sollte allerdings nicht während einer bakteriellen Infektion erfolgen, um ein mögliches Keimwachstum bei Lagerung der Eigenblutkonserven zu verhindern.

 

Ausserdem besteht eine geringe Gefahr durch Infektionserreger, die während der Blutentnahme im Blut vorhanden sind und zu einem späteren Zeitpunkt bei einem anderen Immunabwehr-Lage des Patienten (zum Beispiel Schwächung durch Operation) übertragen werden.

 

Zwischenfälle 

 

Man muss davon ausgehen, dass das Risiko bei der Eigenblut-Transfusion genauso hoch ist wie bei einer Fremdbluttransfusion. Warum? - Von Fremdbluttransfusionen ist bekannt, dass etwa 90 Prozent der tödlichen Transfusionszwischenfälle auf grobe Verwechslungen, beruhen. Das Risiko einer Verwechselung von Blutkonserven ist bei der Eigenbluttransfusion nicht geringer.

 

Eigentums- und Nutzungsvorbehalt

  Die Eigenblutkonserve beziehungsweise die daraus hergestellten Einzelkomponenten Erythrozytenkonzentrat und Plasma verbleiben von der Abnahme bis zum Verbrauch/Vernichtung Eigentum des Auftraggebers/Spenders. Sie sind nur zur Anwendung beim Spender persönlich bestimmt. Anderweitige Verwendung (zum Beispiel Fremd-Transfusion, Verarbeitung zu Blut-/Plasmaprodukten, Verkauf an Dritte und vieles andere) ist nicht zulässig, auch wenn die in der Transfusionsmedizin üblichen infektionsserologischen Untersuchungen auf Hepatitis B und C, Lues, HIV, Cytomegalie usw. routinemässig durchgeführt werden. Nicht zum Einsatz gekommene Konserven sind nach den geltenden Bestimmungen über die Behandlung von potentiell infektiösem Material vom Eigentümer/Spender zu vernichten, der damit den Hersteller beauftragen kann. Die sachgerechte Lagerung/ Verbringung der Konserve an den Einsatzort unterliegt der Obhut und Verantwortung des Eigentümers, sofern er hiermit nicht den Hersteller oder das Krankenhaus beauftragt.

Anmerkung

  Familienspenden sind wie Fremdspenden zu behandeln. Das Transfusionsrisiko ist diesen gegenüber jedoch nicht vermindert, da ”Familienspender" keine Dauer-, sondern meist Erstspender sind, bei denen keine Befunde aus früheren Spenden vorliegen. Im Fall unerwünschter Nebenwirkungen ist bei Familienspenden neben dem gesundheitlichen Risiko auch mit einem "familiären Risiko" zu rechnen. Daher wird von Familienspenden eher abgeraten. Selbstverständlich werden sie bei übereinstimmend dokumentiertem Wunsch von Empfänger und Spender durchgeführt, allerdings nur, wenn der ausgewählte Spender im Zeitraum von 6 bis 12 Monate zurückliegend mindestens eine Blutspende geleistet hat: Die Vorschrift der Beobachtung von Erstblutspendern über mindestens 6 Monate gestattet die Verwendung von Erstblutspenden n i c h t . Ersatzweise kann als Nachweis der Beobachtung über 6 Monate ein HIV-Test dienen, welcher mindesten 6 und höchstens 12 Monate zurückliegen darf.

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