Magengeschwür

Definition

Magen- oder Zwölffingerdarmgeschwüre sind abgegrenzte entzündliche Prozesse der Schleimhaut von Magen oder Zwölffingerdarm (Duodenum). Immer gehen sie mit einem Substanzverlust des Gewebes einher, das geschwürig zerfällt. Magengeschwür heisst in der Fachsprache Ulkus ventriculi, Zwölffingerdarmgeschwür Ulkus duodeni - beide werden oft einfach nur als Ulkus (Geschwür) bezeichnet. Treten über Jahre immer wieder Ulzera auf, handelt es sich um die chronisch-rezidivierende Ulkuskrankheit.

Das Ulkus ventriculi ist seltener als das Ulkus duodeni. Magengeschwüre sind bei Frauen und Männern gleich häufig, Zwölffingerdarmgeschwüre 3,5 mal häufiger bei Männern. Das Maximum der altersspezifischen Erkrankungshäufigkeit liegt für das Ulkus ventriculi bei den 60 bis 65, für das Ulkus duodeni erst bei 75 bis 80 Jahren. Sind direkte Verwandte (Kinder, Eltern, Grosseltern) an einem Ulkus erkrankt oder ist die Blutgruppe Null zu finden, steigt das Erkrankungsrisiko für beide Formen der Ulkuskrankheit etwa um das 1,5-fache an.

Das Magengeschwür ist ein umschriebener Schleimhautdefekt, der die tieferen Schichten der Magenwand erreicht und auch als Ulkus bezeichnet wird deren Durchmesser von wenigen Millimeter bis zu mehr als drei Zentimeter reichen kann. Aus einer über Wochen, Monate oder sogar Jahre anhaltenden Entzündung der Magenschleimhaut, der sogenannten chronischen Gastritis, können im nächsten Schritt Geschwüre entstehen.

Ursachen

Nach früherer Ansicht lag der Erkrankung vor allem ein Ungleichgewicht zwischen aggressiven (die Schleimhaut angreifenden) und defensiven (die Schleimhaut schützenden) Faktoren zugrunde. Dieses Krankheitsverständnis muss um einen bedeutsamen Faktor ergänzt werden: Seit einigen Jahren weiss man nämlich, dass das Bakterium Helicobacter pylori wesentlich an der Entstehung von Geschwüren beteiligt ist. Zirka 60 Prozent der Weltbevölkerung tragen den Helicobacter pylori-Erreger in der Magenschleimhaut. Es handelt sich um ein Bakterium, das Enzyme bildet, die an der Zellschädigung der Magenschleimhaut beteiligt sind. Das Geschwür kann allein oder mehrfach vorkommen. Ein weiterer wesentlicher Auslösefaktor ist der psychosoziale Stress, der über ein übererregbares vegetatives Nervensystem aggressive Mechanismen fördert, so beispielsweise neben noch ungeklärten biochemischen Einflüssen eine Erhöhung der Magensaftproduktion. Doch können diese aggressiven Mechanismen wahrscheinlich nur bei einer entsprechenden ererbten Anlage wirksam werden. Anscheinend spielt auch die Persönlichkeit bei der Ulkus-Entstehung eine Rolle. Das heisst, psychosozialer Stress und Anlage für sich allein sind nicht einzig und allein ulkusauslösend, entscheidend ist die persönlichkeitsbedingte Art der Stressverarbeitung: Ulkus-Patienten leiden unter Schuldgefühlen, Frustrationen und einer ständigen Konfliktspannung. Jedenfalls scheinen die Mechanismen der Entstehung eines Ulkus multifaktoriell, das heisst durch vielerlei Faktoren bestimmt zu sein. Beim Magengeschwür scheint neben biochemischen Faktoren und gestörten Rückkopplungsmechanismen der Salzsäuresekretion auch ein Missbrauch von Schmerztabletten und Alkohol eine zusätzliche Rolle zu spielen. Beim Zwölffingerdarmgeschwür werden auch Durchblutungsstörungen infolge einer nicht normalen Gefässnerven-Aktivität vermutet. Rein statistisch ist die Blutgruppe Null bei Ulkusträgern gehäuft; möglicherweise ist das Fehlen von blutgruppenaktiven Substanzen ein fördernder Faktor. Fest steht, dass Geschwürerkrankungen des Magens und des Zwölffingerdarmes in allen Industrieländern an Häufigkeit zunehmen. Moderner Lebensstil sowie körperliche und seelische Belastungen spielen für die Entstehung sicherlich eine Rolle. Daneben sind anlagebedingte Besonderheiten von Bedeutung. Empfindsame, nervöse Menschen von schlankem Körperbau erkranken besonders häufig. Es wird auch vermutet, dass sich bei den Geschwüren um eine krankhafte Selbstverdauung der Magen- beziehungsweise Zwölffingerdarmwand durch die in den Verdauungssäften vorhandenen Verdauungsenzyme handeln könnte. Folgende Faktoren erhöhen das Krankheitsrisiko für ein Magengeschwür:
  • Mit Helicobacter pylori kontaminierte Nahrungsmittel und Trinkwasser -
  • Hohes Lebensalter
  • Bestehende Autoimmunerkrankungen (zum Beispiel der Schilddrüse)
  • Chronische Erkrankungen, die eine regelmässige und dauerhafte Einnahme von Schmerzmitteln und/oder Kortison erfordern.
Übermässiger Alkohol-, Nikotin- und Koffeingenuss erhöhen das Erkrankungsrisiko zusätzlich.

Merkmale, Diagnose, Verlauf

Beide Ulkus-Arten sind durch krampfartige, drückende, dumpfe, kneifende oder stechende Schmerzen im Oberbauch gekennzeichnet, oft zur linken Körperseite hin ausstrahlend. Häufig steht der Schmerz in direkter Beziehung zur Nahrungsaufnahme: Die Geschwüre sitzen an typischer Stelle: entweder an der kleinen Magenkurve oder am Magenausgang, im Magenpförtner oder im Anfangsteil des Zwölffingerdarmes. Beim Magengeschwür verschwinden die Schmerzen nach dem Essen für ein paar Stunden. Häufig sind auch Schmerzen während der Nacht.
  • Als Hungerschmerz, der besonders bei nüchternem Magen in Erscheinung tritt, typisch für das Zwölffingerdarmgeschwür;
  • als Frühschmerz, der sich vor allem direkt im Anschluss an die Nahrungsaufnahme einstellt, typisch für Geschwüre im Magenkörper;
  • als Spätschmerz, der am stärksten ein bis drei Stunden nach dem Essen auftritt, vorwiegend bei Geschwüren des Magenpförtners und in seiner unmittelbaren Umgebung.
Beide Ulkus-Erkrankungen können über eine längere Zeit unentdeckt bleiben, da die Beschwerden nicht eindeutig sind. Die Schmerzen können bei vielen Ulkus-Patienten auch gänzlich fehlen. Aufgrund von wiederholten kleinen Sickerblutungen aus einem Ulkus duodeni oder Ulkus ventrikuli kann Blutarmut mit allgemeiner Abgeschlagenheit und blasser Hautfarbe vorhanden sein. Stärkere Blutungen äussern sich in Form von Teerstuhl. Dies ist ganz schwarzer, klebriger Stuhlgang. Ausserdem können diese Blutungen auch zu ausgeprägtem Bluterbrechen (Hämatemesis) führen. In solchen Fällen kann sich relativ rasch eine für den Patienten lebensbedrohliche Situation durch einen Blutungsschock einstellen. Wenn über die Blutung hinaus die Darm- oder Magenwand durchbrochen wird, gerät der Magen- oder Darminhalt in die Bauchhöhle, die sich wiederum entzündet. Neben der Bauchfellentzündung (Peritonitis) entsteht ein akuter Bauch (akutes Abdomen) und ein lähmender Darmverschluss (paralytischer Ileus). Ist es einmal zu diesem „Geschwürdurchbruch“ gekommen, ist eine sofortige Operation notwendig, damit der Betroffene nicht verstirbt. Der Appetit ist im allgemeinen ungestört. Gegenüber bestimmten Speisen können Unverträglichkeiten beziehungsweise Abneigungen festgestellt werden. Häufig zu finden ist dieses Symptom bei «Säurelockern», das heisst bei Nahrungsmitteln, die eine Magensaftbildung besonders anregen, also auch „das Wasser im Mund zusammenfliessen lassen", zum Beispiel scharf Gebratenes, Fleischbrühe, fett Gebackenes, konzentrierter Alkohol, saure Weine, schwarzer Kaffee, scharfe Gewürze. Der Gesichtsausdruck ist oftmals leidend mit eingefallenen Wangen und tiefen, von der Nase zu den Mundwinkeln hin ziehenden Falten. Erbricht der Patient häufig, kann dies auf eine Verlegung des Magenausgangs in Folge akuter Ulzera oder schrumpfender Ulkusnarben hinweisen. Erbrechen kann jedoch auch als Ulkussymptom ohne Behinderung der Magenentleerung auftreten; der Mechanismus ist unklar. Gewichtsverlust ist bei vielen Ulzera die Folge von Erbrechen, Appetitlosigkeit oder Nahrungskarenz (zur Vermeidung nahrungsabhängiger Ulkusschmerzen). Ein ausgeheiltes Ulkus duodeni kann durch das vernarbte Gewebe zu einer Verengung des Dünndarmdurchmessers führen, so dass die Magenentleerung behindert wird. Dies kann zu wiederholtem Erbrechen führen. Die Befragung des Patienten nach der durchlebten Krankheitsgeschichte (Anamnese) steht am Beginn jeder Untersuchung. Die Anamnese kann nur Hinweise auf ein Ulkus geben, keine Sicherheit, da es keine spezifischen Beschwerden gibt. Im Vordergrund steht daher die Frage nach früheren (endoskopisch gesicherten) Ulkusschüben und deren Therapie, eventuell nach der Zusammensetzung früher eingenommener Antibiotikakombinationen zur Bekämpfung von Helicobacter pylori. Bei der Befragung des Patienten sind weiterhin Angaben zur Dauer eines möglichen Teerstuhls und eventuell eines begleitenden Bluterbrechens besonders wichtig. Auch Alkohol, Schmerzmedikamente, Kortison, Nikotin in der Vorgeschichte spielen eine ausschlaggebende Rolle, da diese Substanzen die Magenschutzschicht angreifen und so die Entstehung von Magengeschwüren fördern. Nach der Anamnese erfolgt die ausführliche körperliche Untersuchung. Das Abtasten des Bauches ist aufgrund der relativ milden Beschwerden in den meisten Fällen unauffällig. Bei besonders ausgeprägter Magenschleimhautentzündung und gleichzeitig vorliegenden Magengeschwüren kann Druckschmerz in der Magengrube auftreten. Eine Ulkusperforation kann dagegen zur Anspannung der Bauchdecken bis hin zum brettharten Bauch führen oder eine Ileussymptomatik (Darmlähmung) mit fehlenden Darmgeräuschen hervorrufen. Anzeichen einer Blutarmut (Anämie) wie Konzentrationsschwäche, rasche Ermüdbarkeit und blasse Hautfarbe können auf wiederholte kleinere Blutverluste aus dem oberen Magen-Darm-Trakt hinweisen. Letztendlich ist für das vorliegen eines Magen- oder Zwölffingerdarm-Geschwüres die Oesophago-Gastro-Duodenoskopie (Spiegelung von Speiseröhre, Magen und Dünndarm) beweisend. Die Magen- und Dünndarmspiegelung mit der Entnahme einer Gewebeprobe ist die Methode der Wahl zur Untersuchung dieses Teils des Verdauungstraktes. Da sich hinter einem Geschwür auch eine bösartige Entartung (Magenkrebs) verbergen kann, wird die entnommene Gewebeprobe mikroskopisch auf Tumorzellen untersucht. Blutungen aus dem oberen Magen-Darm-Trakt können zu einer lebensbedrohlichen Situation führen, so dass die Spiegelung eine unumgängliche Untersuchungsmethode darstellt. Nicht nur die Schleimhäute der einzelnen Organe können untersucht, sondern Blutungen zum Beispiel durch Unterspritzung gestoppt werden. Bei diesem Verfahren wird Adrenalin (Stresshormon der Nebennierendrüse) in die Blutungsquelle gespritzt und dadurch das Gefäss so stark verengt, dass die Blutung zum Stillstand kommt. Ausserdem wird ein Urease-Schnelltest durchgeführt, um zu prüfen, ob eine Helicobacter pylori-Infektion für das Magengeschwür verantwortlich zu machen ist. Die Blutungsaktivität eines Magengeschwürs wird nach einer bestimmten Einteilung (Forrest) vorgenommen. So handelt es sich bei einem Geschwür vom Typ Ia um eine akut spritzende Blutung, während bei Typ Ib die Blutung nur noch sickert. Bei einem IIa-Ulkus ist der Gefässstumpf erkennbar, aber nicht blutend. Ein IIb-Geschwür ist mit einem Blutpfropf bedeckt, und das Typ III-Geschwür befindet sich bereits in der Heilungsphase. Eine Röntgenübersicht ist nur dann erforderlich, wenn das Geschwür die Magenwand so weit zerstört, dass ein Wanddurchbruch in die Bauchhöhle und ein akuter Bauch (akutes Abdomen) vermutet wird. Die Bestimmung des Blutbildes (weisse, rote Blutkörperchen, Blutfarbstoff) ist notwendig, um mögliche Blutarmut nachzuweisen. Die Blutarmut kann die Folge einer Blutung der Magenschleimhaut sein. Die Prognose der Ulkuskrankheit ist günstig. In Deutschland sterben 6 von 100‘000 Einwohner an einem Magengeschwür, 4 von 100‘000 an einem Zwölffingerdarmgeschwür. Tödliche Komplikationen betreffen vor allem Patienten, die über 70 Jahre alt sind, Männer doppelt so häufig wie Frauen.

Komplikationen

Rauchen, Alkohol- und Koffeingenuss führen zu einer Reizung der Magenschleimhaut und tragen zur Schädigung der Magenschleimhaut bei. Bei Schmerzen in der Magengrube sollte nicht sofort auf Schmerzmedikamente zurückgegriffen werden. Diese können zwar kurzfristig zu einer Schmerzlinderung führen, allerdings auch die Schleimhaut im Dünndarm angreifen. Schmerzmedikamente sollten nur in Absprache mit dem Arzt eingenommen werden. Bei chronischen Erkrankungen, die eine dauernde Schmerztherapie erfordern (zum Beispiel chronisches Gelenkrheuma), ist ein Verzicht auf diese schmerzlindernden und entzündungshemmenden Arzneimittel meist nur bedingt oder gar nicht möglich. Hier ist zu prüfen, ob neuere magenverträglichere Substanzen eingesetzt werden können. Ulkuskomplikationen sind:
  • Blutung mit Schock
  • Perforation (Durchbruch des Ulkus)
  • Penetration (Einbrechen des Ulkus in benachbarte Organe)
  • Pylorusstenose (narbige Verengung des Magenausgangs)
  • Maligne Entartung, vor allem bei Helicobacter-Besiedelung. Die Häufigkeit dieser Komplikation ist allerdings umstritten.
Blutendes Ulkus: Magen- und Zwölffingerdarmgeschwüre können bereits bei ihrer Erstmanifestation bluten, aber auch als Rezidivgeschwüre im Rahmen einer chronischen Ulkuskrankheit. Therapie mit gewissen Schmerzmedikamenten allein oder in Kombination mit Kortison ist der wichtigste Risikofaktor. Auch männliches Geschlecht, höheres Lebensalter (älter als 60 Jahre), frühere Ulkuskomplikationen und Durchmesser des Geschwürs über zwei Zentimeter erhöhen das Risiko der Ulkusblutung. Etwa 10 Prozent aller Ulzera bluten, 10 Prozent der Blutungen enden tödlich. Hinter dem Magenausgang verlaufen grosse Blutgefässe, die bei einem blutenden Ulkus angegriffen werden und selbst bluten können. Es besteht Lebensgefahr, weil man bei der Notfalloperation sehr schlecht an diesen Körperbereich rankommt und so die Gefahr besteht, dass die sehr starke Blutung nicht rechtzeitig gestoppt werden kann. Chronische Ulkusblutungen bleiben häufig lange unbemerkt und fallen oftmals erst bei einer Routineuntersuchung durch die Blutarmut auf. Akute Ulkusblutungen können dagegen hochdramatisch verlaufen. Symptome sind zum Teil massive Blutverluste (hellrotes Blut wird mit dem Stuhlgang ausgeschieden, Bluterbrechen und Schock). Besteht der Verdacht auf eine Ulkusblutung, muss der Patient schnellstmöglich in das nächstmögliche Krankenhaus eingewiesen und dort untersucht werden! Ist es schon zu einer starken Blutung gekommen, muss als Erstmassnahme der Kreislauf durch Blutkonserven und Zuckerlösungen stabilisiert werden. Nach oder parallel zur Kreislaufstabilisierung wird die Blutungsquelle endoskopisch lokalisiert und durch Unterspritzung mit Suprarenin und/oder Fibrinkleber gestillt. Versagen die endoskopischen Techniken, ist die notfallmässige chirurgische Blutstillung indiziert. Dazu muss der Bauch eröffnet, die Blutungsquelle lokalisiert und das Ulkus entfernt werden. Zusätzlich wird das blutende Gefäss mit einem Faden unterbunden. Ein Magen(teil-)entfernung ist heutzutage nur noch in den allerseltensten Fällen notwendig. Durchbrechendes (perforierendes) Ulkus: Perforationen gehen häufiger von Zwölffingerdarm- als von Magengeschwüren aus. Sie schaffen eine Verbindung zwischen dem Zwölffingerdarm oder Magen und den Nachbarorganen (Bauchspeicheldrüse, querverlaufender Dickdarm) oder der freien Bauchhöhle. Der bedeutendste Risikofaktor ist die Einnahme von bestimmten Schmerzmedikamenten. Typisch sind plötzlich einsetzende heftigste Oberbauchschmerzen mit Ausstrahlung in den Rücken. Die Röntgenaufnahme des Brustkorbs zeigt bei Perforation Luft unter den Zwerchfellkuppeln, die normalerweise dort nicht zu finden ist. Sieht der Chirurg dieses Röntgenbild, wird er sofort die Notfalloperation einleiten. Zusätzlich werden hochwirksame Antibiotika gegeben, denn auch noch in der heutigen Zeit ist eine starke Bauchfellentzündung lebensgefährlich! Im Regelfall erfolgt eine Übernähung oder Ausschneidung des Geschwürs. Selten geworden sind Magenteilentfernungen. Magenausgangsstenose (Verengung des Magenausgangs): Magenausgangsstenosen werden durch Ulzera in bestimmten Bereichen des Magens verursacht. Sie können die Folge von Magenschleimhaut-Entzündungen rund um akute Geschwüre sein oder sind durch narbige Schrumpfung nach Ulkusheilung entstanden. Die Patienten nehmen nur noch kleine Nahrungsportionen zu sich. Dadurch und durch häufiges Erbrechen nehmen sie an Gewicht ab. Die Diagnose erfolgt durch eine Spiegelung des Magen-Darm-Bereiches. Ist die Magenausgangsstenose durch Gastritis rund um ein akutes Ulkus entstanden, ist die Wahrscheinlichkeit auf einen Rückgang der Verengung nach einer Behandlung sehr gross. Anders sieht es bei der chronischen Magenausgangsstenose aus. Diese ist infolge einer Schrumpfung der Narben, die jedes Ulkus hinterlässt, entstanden. Diese heilen nicht spontan ab, sondern müssen durch eine sogenannte endoskopische Ballondilatation wieder eröffnet werden. Die Gefahr, dass die Verengung sich wieder einstellt, ist auch unter Medikamentengabe sehr gross. In diesem Fall ist eine Operation notwendig. Die Passage wird durch eine sogenannte Pyloroplastik wiederhergestellt.

Behandlung

Ein gewisser Prozentsatz (bis zu 40 Prozent) der Magen- und Zwölffingerdarmgeschwüre bildet sich spontan zurück. Die Heilungsprozesse werden anscheinend durch eine Änderung der psychisch-vegetativen Konstellation des Patienten gefördert. Für diese Annahme sprechen auch wissenschaftliche Studien, nach denen etwa 40 bis 50 Prozent der Patienten durch Plazebos (Scheinmedikamente ohne Wirkstoffe) geheilt werden. Die Wirksamkeit von säurebindenden Medikamenten (Antazida) übersteigt die »Erfolgsquote« von Plazebos kaum. Unkomplizierte Ulzera werden ambulant behandelt, Bettruhe ist nicht erforderlich. Ziele der Therapie der Ulkuskrankheit sind rasche Schmerzbefreiung, Ulkusheilung und Rezidivprophylaxe. Im Langzeitverlauf ist die Ulkuskrankheit jedoch durch immer wieder auftretende Ulkuskrankheiten gekennzeichnet. Bis zu 80 Prozent der Patienten erleiden innerhalb eines Jahres ein Rezidivulkus, wenn zur Heilung des vorangegangenen Geschwürs lediglich säuresekretionshemmende Pharmaka eingesetzt wurden. Die Ursache hierfür ist, dass durch Säureblocker die der Ulkuskrankheit zugrundeliegende Infektion mit Helicobacter pylori nicht saniert wird. Wird ohne vorherige Sanierung der Infektion eine Vorbeugung durch jahrelange Dauertherapie mit Säureblockern durchgeführt, kann sich die Magenentzündung sogar verschlimmern. Deshalb ist das A und O jeder Behandlung die Abtötung der Helicobacter pylori-Bakterien. Diese Therapie hat eine spezielle Bezeichnung erhalten: Eradikationsbehandlung. Helicobacter-pylori-Eradikation: Sowohl bei dem erstmaligen Auftreten eines Ulkus, als auch bei Rezidivgeschwüren ist die Sanierung der Helicobacter-pylori-Infektion als primäre Therapiemassnahme notwendig. Hierdurch wird nicht nur das aktuelle Geschwür geheilt, sondern auch eine effektive Prophylaxe betrieben. Die konventionelle Behandlung ausschliesslich mit Säuresekretionshemmern heilt das aktuelle Geschwür langsamer als die Kombination mit einer Sanierung der Helicobacter-pylori-Infektion und bietet keinen Schutz vor dem Rezidivulkus, das in Magen- und Zwölffingerdarm innerhalb eines Jahres nach Therapieende zu 60 bis  80 Prozent zu erwarten ist. Zur Sanierung der Helicobacter-pylori-Infektion wird heute die Kombination eines Protonenpumpenhemmers zur Reduktion der Magensäureproduktion mit zwei Antibiotika empfohlen. Als Antibiotikum werden Clarithromycin und entweder Metronidazol oder Amoxicillin eingesetzt. Hiermit kann in 85 bis 100 Prozent der Fälle eine erfolgreiche Sanierung der Infektion erzielt werden. Eine erfolgreiche Behandlung eines Magengeschwürs ist nur dann möglich, wenn der Patient die Eradikationsbehandlung konsequent einhält. Die Therapie sollte immer mit allen drei Medikamenten gleichzeitig begonnen werden. Nach sieben Tagen ist die Behandlung beendet. Normalerweise wird die Heilung von Duodenal- beziehungsweise Magengeschwüren innerhalb von vier beziehungsweise acht Wochen erreicht. Acht Wochen nach Beginn der Eradikationstherapie wird eine erneute Spiegelung des Magen-Darm-Traktes durchgeführt. Zu diesem Zeitpunkt sind 85 bis 90 Prozent der Magengeschwüre vollständig geheilt. Aus der Ulkusnarbe werden Biopsien entnommen, um eneut die Gutartigkeit des Geschwürs zu bestätigen, da auch bösartige Geschwüre unter säurehemmender Therapie nach endoskopischen Kriterien eine Heilung vortäuschen können. Gleichzeitig werden aus unterschiedlichen Magenschleimhautregionen Gewebeproben zum Nachweis von Helicobacter pylori entnommen. Ist bei der Kontrollgastroskopie acht Wochen nach Beginn der Sanierung der Helicobacter-pylori-Infektion ein Magengeschwür noch nicht vollständig abgeheilt, werden Gewebeproben aus dem Rand des Geschwürs und vom Boden entnommen, um Bösartigkeit auszuschliessen. War die Eradikationstherapie erfolgreich und liegt keine Bösartigkeit vor, wird vier Wochen lang weiter mit einem Protonenpumpenhemmer therapiert. Anschliessend erfolgt eine erneute Magen-Darm-Spiegelung.  Ist die Infektion nach einem Eradikationsversuch nicht saniert wird ein erneuter Versuch mit den drei Medikamenten unternommen. Vier bis sechs Wochen nach Beendigung dieser zweiten Therapie wird der Erfolg erneut überprüft. Erfreulich ist, dass eine erneute Infektion mit Helicobacter pylori bei unter einem Prozent liegt. Die Sanierung der Infektion ist also dauerhaft. Fehlende Therapietreue während der Helicobacter pylori-Eradikation kann den Verlauf der Erkrankung verschlimmern und die Entstehung von schweren Blutungen begünstigen. Medikamentöse Therapie: Antazida: Anatazida neutralisieren die bereits gebildete Magensäure. Sie enthalten meist Aluminium- oder Magnesiumhydroxid oder Karbonatverbindungen. Sie sind als Gel, Suspension oder Tabletten in grosser Anzahl auf dem Markt. Aluminiumhaltige Präparate wirke eher verstopfend, magnesiumhaltige abführend. Die Präparate sind ein bis zwei Stunden nach der Mahlzeit und gegebenenfalls noch einmal nach drei Stunden einzunehmen. Andere Medikamente sollten mit einem Sicherheitsabstand von einer Stunde genommen werden, da ansonsten deren Aufnahme im Magen beeinträchtigt werden kann. Histamin-H2-Antagonisten: Diese Medikamente nehmen sowohl in der akuten Ulkustherapie als auch in der Rezidivprophylaxe eine Vorrangstellung ein. Im Gegensatz zu Antazida vermindern sie die Magensäurenproduktion, indem sie die Histamin-H2-Rezeptoren der Belegzelle blockieren. Die wichtigsten Substanzen sind Ranitidin, Famotidin, Nizatidin, Roxatidin und Cimetidin. Vorteilhaft ist, dass meist eine Tageseinzeldosis am Abend ausreicht. Die Hauptnebenwirkungen der H2-Blocker sind allergische Reaktionen, gastrointestinale Symptome wie zum Beispiel Durchfall, Müdigkeit, Kopfschmerzen und Schwindel. Seltener sind ein Anstieg des Serumkreatinins oder der Leberwerte sowie bei längerer Anwendung bei Männern eine Vergrösserung der männlichen Brust und Libidostörungen. Protonenpumpenhemmer: Omeprazol ist ein Protonenpumpenhemmer. Sie vermindern die Säuresekretion durch Hemmung eines Schlüssel-Enzyms, das für den Protonentransport der Belegzelle des Magens verantwortlich ist. Sie sind besonders bei Helicobacter pylori-Besiedlung des Magens und des Dünndarms, Ulkus-Rezidiven oder einem Zoller-Ellison-Syndrom angezeigt. Wichtigste Nebenwirkungen sind gastrointestinale Symptome wie Durchfall, Verstopfung und Blähungen sowie Blutbildveränderungen. Bei hochdosierter Gabe als Spritze wurden Sehstörungen bis hin zur Erblindung durch Schädigung des Sehnerven beschrieben. Schutzfilmbildner: Schutzfilmbildner wie zum Beispiel Sucralfat überziehen die Magenschleimhaut mit einem dünnen Film, der vor der aggressiven Magensäure schützt und etwas sechs Stunden auf dem Ulkusgrund haftet. Die Hauptnebenwirkung besteht in einer gelegentlichen Verstopfung. Schutzfilmbildner werden möglichst auf leeren Magen eine Stunde vor den Mahlzeiten eingenommen. Wasser kann nachgetrunken werden. Antazida und H2-Antagonisten sollten nicht zeitgleich zu den Schutzfilmbildnern, sondern wegen möglicher Wirkungsbeeinträchtigung um zirka eine Stunde versetzt genommen werden. Anticholinergika: Vor allem Pirenzepin hemmt die Magensäuresekretion, indem es die Rezeptoren besetzten, die der Überträgerstoff des Nervus vagus benötigt, um die Belegzellen der Magenschleimhaut zu stimulieren. Anticholinergika werden in erster Linie in Kombination mit anderen Ulkustherapeutika eingesetzt. Da sie nicht nur den Hauptnerv des Parasympathikus, sondern auch die anderen Nerven hemmen, entstehen für die Betroffenen bei höherer Dosierung unangenehme Nebenwirkungen wie Mundtrockenheit, Blasenentleerungsstörungen, Akkomodationsstörungen oder schneller Herzschlag. Bei Patienten mit erhöhtem Augeninnendruck (Glaukom) oder Prostatavergrösserung dürfen sie nicht gegeben werden. Wismutpräparate: Als Ulkustherapeutika gelten auch Wismutpräparate, die heute meist in Kombination mit Antibiotika zur Bekämpfung der Helicobacter pylori-Infektion gegeben werden. Sie werden eine halbe bis zu einer Stunde vor den Mahlzeiten genommen. Der Betroffene muss wissen, dass sich der Stuhlgang schwarz verfärbt und sich (je nach Präparat unterschiedlich) auch Zunge, Zahnfleisch und Zahnprothesen verübergehend verfärben kann. Antibiotika: Penicillinabkömmmlinge wie Amoxicillin, aber auch Substanzen wie Metronidazol heben neuerdings grosse Bedeutung bei der Bekämpfung der Helicobacter pylori-Infektion im Rahmen der Ulkustherapie erlangt.

Vorbeugende Massnahmen

Die Beachtung der Therapievorschriften und der Verzicht auf Alkohol, Nikotin und Koffein fördern den Heilungsprozess. Eine leicht verdauliche Kost in mehreren kleinen Mahlzeiten (zirka 5mal pro Tag) überfordert den Magen nicht übermässig, und der Magen kann sich in kleineren Abständen entleeren. Auf diese Weise wird verhindert, dass übermässig hohe Mengen an Salzsäure über einen längeren Zeitraum im Magen verbleiben. Grundsätzlich kann allen Ulkus-Patienten eine psychotherapeutische Behandlung empfohlen werden.

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