Tendomyopathie, generalisierte

Definition

Chronische, nicht entzündliche Erkrankung ungeklärter Ursache, charakterisiert durch einen generalisierten Schmerz mit ausschliesslichem Weichteilbefall ohne Gelenk- oder Knochenbefall, ohne laborchemische Veränderungen und ohne krankhaft veränderte bildgebende Diagnostik.

Merkmale, Diagnostik, Verlauf

An Fibromyalgie erkranken etwa 0,7 bis 3,2 Prozent der Bevölkerung zwischen dem 20. und 40. Lebensjahr, Frauen häufiger als Männer und zwar in einem Verhältnis von 6 : 1.

Herausragendes Symptom ist der den ganzen Körper umfassende generalisierte Schmerz, begleitet von einer Reihe zusätzlicher Störungen. Hierzu zählen hauptsächlich Müdigkeit, Morgensteifigkeit, Schlafstörungen, Sensibilitätsstörungen und Kopfschmerzen.

Vegetative Begleitsymptome sind kalte Hände und Füsse, starke Schweissneigung, Zittern, Gleichgewichtsstörungen, funktionelle Herz-/ Kreislaufstörungen, gastrointestinale Störungen (zum Beispiel Reizdarmsyndrom), Blasen- und Mastdarmstörungen. Des weiteren sind psychische Störungen wie beispielsweise Depressionszustände nicht selten zu beobachten. Ob diese primär der Erkrankung als solche zuzuschreiben sind oder aber sich sekundär aufgrund des oft langwierigen Krankheitsverlaufes mit meist verspätet gestellter Diagnose entwickeln, ist bislang nicht geklärt.

Diagnostisch ausschlaggebend sind die bei der klinischen Untersuchung zu lokalisierenden sogenannten schmerzhaften Druckpunkte (tender points). Sie liegen im Übergangsbereich von Muskeln und Sehnen im Bereich der Nacken- und Lendenregion, des Schulter- und Beckengürtels sowie an Knie und Ellenbogen.

Laborchemische Untersuchungen sowie bildgebende Verfahren sind in der Regel unauffällig und sollten nur zum Ausschluss möglicher anderer Erkrankungen durchgeführt werden. Differentialdiagnostisch kommen alle rheumatischen Erkrankungen, das Chronic Fatigue Syndrome, Infektionskrankheiten, maligne Erkrankungen, Arzneimittelnebenwirkungen, Osteoporose und andere in Frage.

Der Verlauf ist chronisch. Kausale Therapie ist aufgrund der unbekannten Ursache derzeit nicht möglich. Heilung oder anhaltende Besserung sind selten und eine individuelle Prognose damit schwer zu stellen. Hervorzuheben ist, dass es trotz des langwierigen Verlaufes nie zu funktionellen Beeinträchtigungen kommt.

Behandlung

Die Behandlung der Fibromyalgie beinhaltet medikamentöse, krankengymnastische und physikalisch-therapeutische Ansätze.

Als Medikamente werden bevorzugt Antidepressiva (Amitryptilin) oder die Schlafmittelgruppe der Benzodiazepine (zum Beispiel Alprazolam) eingesetzt. Diese können über positive Beeinflussung der Tiefschlafphase eine deutliche Reduzierung der Symptomatik bei den Patienten bewirken. Wichtig ist langsames Steigern der Dosierung, um optimale Wirkung bei noch tolerablen Nebenwirkungen zu erzielen. Nebenwirkungen sind insbesondere Gewichtszunahme, Mundtrockenheit und Bewusstseinsstörungen.

Alle bekannten Schmerzmittel insbesondere die Antirheumatika (zum Beispiel Diclofenac, Ibuprofen) sind zur Behandlung der Fibromyalgie nicht geeignet, da es sich nicht um einen entzündlich verursachten Schmerz handelt. Sie sollten deshalb hier nicht zum Einsatz kommen.

Sehr wichtig ist neben der medikamentösen Behandlung eine konsequent durchgeführte regelmässige, dass heisst tägliche körperliche Betätigung. Dies kann zunächst in Form einer krankengymnastischen Betreuung erfolgen, langfristig jedoch reicht eine selbständig durchgeführte sportliche Übungseinheit am Tag zur Linderung der Schmerzempfindungen aus.

Begleitend können physikalisch-therapeutische Massnahmen zur Anwendung kommen. Bevorzugt wird hier die Kryotherapie zum Beispiel in Form einer Ganzkörper-Kältetherapie. In diesem Fall begibt man sich nur in Badekleidung für einige Minuten in eine Kältekammer mit minus 110 Grad Celsius. Dies kann die Beschwerden für einige Stunden bis Tage deutlich reduzieren und vor allem in der Anfangsphase der Therapie einen Einstieg in die ansonsten sehr schmerzhafte Krankengymnastik erleichtern. Alle anderen Formen der physikalischen Therapie (zum Beispiel Wärmetherapie, Massage, Elektrotherapie) sind selbstverständlich individuell ebenfalls zu erwägen.

Darüber hinaus ist es notwendig den Patienten über den chronischen Charakter der Erkrankung zu unterrichten und ihn auf einen dieser Erkrankung angepassten Tagesablauf hinzuweisen. Insbesondere sollte ein regelmässiger Wach-Schlafrhythmus mit täglich gleichen Einschlafzeiten eingehalten werden.

Vorbeugende Massnahmen

Aufgrund der fehlenden eindeutigen Ursache ist eine Vorbeugung zur Erkrankung an Fibromyalgie nicht möglich. Wichtig ist bei erfolgter Erkrankung eine konsequent durchgeführte Erhaltung der aktiven Beweglichkeit.

Literatur

Fibromyalgie. Das unbekannte Rheuma. Autor: Wolfgang Brückle Urania Verlag, Berlin 1997 ISBN: 3332006134
Endlich wieder schmerzfrei. Das Fibromyalgie- Programm.Autor: Thomas Weiss Südwest-Verlag, München 1999ISBN: 3517060372
Schmerzen überall. Fibromyalgie. Autor: Thomas Weiss Südwest-Verlag, München 1998ISBN: 3517019933

Ursache(n)

Die Ursache der Fibromyalgie ist bislang ungeklärt. Verschiedene Theorien sind dazu entwickelt worden. Neben einer möglichen Virusinfektion wurden auch Autoimmunmechanismen sowie psychogene Ursachen vermutet.

In mehreren Studien konnte nachgewiesen werden, dass offensichtlich ein Zusammenhang zu einer Schlafstörung besteht. Diese Schlafstörung (fehlende Tiefschlafphase) scheint sowohl hormonelle Dysbalancen als auch Störungen im Immunsystem nach sich zu ziehen, die ihrerseits die Symptomatik der Fibromyalgie erklären. Fest steht jedoch, dass ein auslösendes Ereignis hierfür nicht festzumachen ist.

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